Phase 2: Nutzung/Aufbau von Strukturen


Auf einen Blick

  • Ausgangssituation: Sie haben sich entschieden, mit Ihrer Schule in einen Gesundheitsförderungsprozess einzusteigen.
  • Inhalt: Sie verschaffen sich einen Überblick über bestehende Strukturen wie beispielsweise Teams und Akteure zu dem Themenbereich, den Sie für besonders wichtig erachten. Auch geht es um Möglichkeiten der internen und externen Vernetzung und Zusammenarbeit.
  • Ziel: Sie schaffen einen Ausgangspunkt für die Umsetzung gesundheitsförderlicher Maßnahmen, indem Sie ein Gesundheitsteam gründen, das den Gesundheitsförderungsprozess mit Kompetenz und Befugnis gestaltet und begleitet. Darüber hinaus haben Sie einen Überblick über mögliche Netzwerkpartner/-innen und Gesundheitsprogramme im Schulumfeld.

So steigen Sie in den Gesundheitsförderungsprozess ein

Um Ihre Schule gesundheitsförderlich zu gestalten, benötigen Sie eine Struktur, das heißt ein Netzwerk aus relevanten Akteuren. Diese sollten sich in einem Gesundheitsteam zusammenfinden; ggf. ist es auch sinnvoll, zusätzlich ein Projektteam zu bilden (siehe auch TIPP "Projektteam" in Phase 4).

Zunächst sollten Sie jedoch grundsätzliche Fragen für den Gesundheitsförderungsprozess klären, beispielsweise hinsichtlich der Verantwortlichkeiten. Unsere Checkliste unterstützt Sie bei der Beantwortung dieser Fragen.

  •   Wer ist in der Schule für die Gesundheitsförderung verantwortlich?
  •   Wer im Kollegium kann mitarbeiten, wer hat Zeit bzw. kann freigestellt werden?
  •   Welche Kolleginnen und Kollegen haben fachliche Expertisen, die wir nutzen können?
  •   Welche finanziellen Ressourcen hat die Schule, welche können diese noch ergänzen, z. B. über den Schulträger, den Elternverein oder durch Sponsoring?
  •   Sind bereits Strukturen vorhanden, die für die Etablierung von Gesundheitsförderung genutzt werden können, beispielsweise interne Netzwerke, Arbeitsgruppen?
  •   Kennen Sie mögliche Partner und gesundheitsrelevante Einrichtungen in Ihrer Region, mit denen Sie bei Bedarf kooperieren können?
  •   Wie können Schüler/-innen und Eltern eingebunden werden (Partizipation)?
  •   Welche Gesundheitsförderungsprogramme bieten andere Schulen? Können wir aus deren Erfahrung lernen? Welche Synergien können hier genutzt werden?
  •   Welche Gesundheitsförderungsprogramme gibt es in der Region und den Nachbarkommunen? Können hier Synergien genutzt werden?

Seien Sie Team-Player

Wir empfehlen Ihnen, in dieser Phase Mitstreiter/-innen an Ihrer Schule zu motivieren und ein Gesundheitsteam im Sinne eines Steuerungsgremiums aufzubauen, um Ihr Vorhaben weiter voranzubringen. Teams bieten Unterstützung und unterschiedliche Perspektiven. Dies stärkt die Motivation und führt zu neuen Lösungsansätzen. Außerdem macht es oft mehr Spaß, im Team neue Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Nutzen Sie das Fachwissen und die Netzwerkverbindungen der Teammitglieder.

Die Zusammensetzung des Teams ist mitentscheidend für das Gelingen Ihres Gesundheitsförderungsvorhabens. Erfolgreiche Teams sind heterogen. Sprechen Sie daher Personen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern und mit spezieller Expertise an.  Überlegen Sie mit der Schulleitung, wer in das Team sollte (Expertise) und möchte (Zeit und Motivation). Da Veränderungsprozesse für einige Betroffene mit Ängsten einhergehen, sollten Sie bei der Zusammensetzung explizit Skeptiker einbeziehen, denn nur so können Sie möglicherweise bestehende Befürchtungen und Sorgen frühzeitig erkennen und gemeinsam lösen.

Laden Sie zu einem Treffen in angenehmer Atmosphäre ein und berichten Sie von Ihrem Vorhaben. Begeistern Sie alle von Ihrer Idee und machen Sie deutlich, wie die Teammitglieder von der Mitarbeit profitieren (z. B. Fortbildung, wachsende Expertise, neue Aufgaben übernehmen).

Erfolgreich Arbeiten im Gesundheitsteam

Das neu gegründete Team sollte in vorhandene schulische Steuerstrukturen eingebettet sein. Vermeiden Sie dabei Doppelstrukturen, indem Sie das Gesundheitsförderungsvorhaben an bestehende Strukturen anbinden und sichern Sie sich Akzeptanz. Folgende Überlegungen machen Ihre Arbeit erfolgreich:

  • Ist der Auftrag zur Gesundheitsförderung von der Leitung legitimiert und wird er von der Mehrheit des Kollegiums mitgetragen?
  • Gibt es einen Informationsaustausch zwischen dem Gesundheitsteam und anderen Teams oder Projektgruppen an der Schule?
  • Ist es sinnvoll, zu manchen Themen und Aufgaben zusammenzuarbeiten und wann tun Sie das?
  • Wird das Kollegium regelmäßig über die Entwicklung der Gesundheitsförderung informiert und wie tun Sie das?
  • Welchen Beitrag liefert das Gesundheitsteam für die Schulprogrammarbeit und schulische Qualitätsentwicklung?

Bei der Auswahl und Zusammenstellung des Gesundheitsteams sollten Sie folgende wichtige Ressourcen in den Blick nehmen:


Ressourcen für ein erfolgreiches Gesundheitsteam:

  • Wissenskapital: Expertinnen und Experten zum Thema, die die Problemanalyse unterstützen und neue Ideen entwickeln können.
  • Beziehungskapital: Kolleginnen, Kollegen und Schüler/-innen mit großer Akzeptanz und guten Beziehungen – Leute, auf die man hört.
  • Entscheidungskapital: Entscheidungsträger/-innen, die durch ihre Rolle und Funktion autorisiert sind, Entscheidungen zu treffen. Personen, die Zugang zu Entscheidungsstrukturen haben.
  • Kapital der Betroffenen: Am Thema Interessierte. Personen, die von Veränderungen durch das Vorhaben betroffen sind.

Quelle: modifiziert nach: Nieskens, Schumacher & Sieland (2014): Gelingensbedingungen für die Entwicklung guter gesunder Schulen.

Vernetzen Sie sich!

Wir empfehlen Ihnen, sich als Gesundheitsteam mit dem Umfeld der Schule zu vernetzen. So können Sie Kompetenzen dazugewinnen und Synergieeffekte nutzen. Das Netzwerk kann sich übergreifend mit Gesundheitsförderung und Prävention beschäftigen oder sich auf ein bestimmtes, für Ihre Schule bedeutsames Thema beschränken. Netzwerkpartner für Gesundheit können beispielsweise andere Schulen sein, die bereits Erfahrung mit Gesundheitsförderungsmaßnahmen haben. Auch Krankenkassen sind hier gute Ansprechpartner. Vielleicht bieten diese auch ein für Ihre Schule passendes Programm, beispielsweise zur Bewegungsförderung oder zum Stressmanagement.

Hier finden Sie eine Liste geeigneter Netzwerkpartner, mit denen Sie schon in der Vorbereitungsphase in Kontakt treten können.

  • Schulen im Umkreis
  • Vereine (Sport-, Musik- etc.)
  • Hochschulen
  • Krankenkassen
  • Unfallkasse
  • Präventions- oder Gesundheitsbeauftragte der Schulbehörde
  • Fachämter der Kommune, wie Gesundheitsamt, Landwirtschaftsamt
  • Kommunale Suchtbeauftragte
  • Kommunale Integrationsbeauftragte
  • Kommunale Bildungskoordinatorinnen und -koordinatoren/Bildungsbüros
  • Landesvereinigung für Gesundheit
  • Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit
  • Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung
  • Erziehungsberatungsstelle/Familienberatung
  • Sonderpädagogische Frühberatungsstellen
  • Regionale Schulpsychologiestelle
  • Polizei
  • Jugendhäuser/-treffs
  • Wohlfahrtsverbände
TIPP

Teamzusammenstellung

Führen Sie eine Erfahrungs- und Kompetenzabfrage im Kollegium und unter den Schüler/-innen bzw. deren Eltern durch. Fragen Sie auch nach Hobbies und privaten Fähigkeiten. Sie werden staunen, was Ihre Schulgemeinschaft alles kann. Vieles davon, z. B. Entspannungstechniken, Meditation oder Projektmanagement, können Sie vermutlich direkt nutzen. Anderes, beispielsweise künstlerische Kompetenzen, kommt Ihrem Vorhaben zugute, wenn es um die Präsentation in der Öffentlichkeit geht. Nebeneffekt: Kolleginnen und Kollegen, Schüler/-innen und Eltern beteiligen sich an der Arbeit und fühlen sich wertgeschätzt.

Expertinnen und Experten müssen nicht ständiges Mitglied im Team sein. Nützlicher ist es, mehrere Personen mit unterschiedlicher Expertise im Hintergrund zu haben, die bei Bedarf eingeladen werden können.