Prävention des Tabakkonsums und Förderung des Nichtrauchens in der Schule

Der Konsum von Tabakprodukten ist ein bedeutender Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen und weltweit die häufigste vermeidbare Todesursache. Wirksame Prävention des Tabakkonsums und damit die Förderung des Nichtrauchens beginnen bereits im Kindesalter. Lehrkräfte und andere Mitarbeitende in der Schule wie Schulsozialarbeiter/-innen können wesentlich dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche erst gar nicht mit dem Rauchen beginnen.
Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen und Empfehlungen zum Thema Prävention des Tabakkonsums und Förderung des Nichtrauchens, welche als Grundlage für die Umsetzung von präventiven Maßnahmen in der Schule dienen können. Basis dafür bildet der Ergebnisbericht der „Recherche von Handlungsempfehlungen zur Prävention des Tabakkonsums und Förderung des Nichtrauchens“, den das IFT-Institut für Therapieforschung München erstellt hat.

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Recherche von Handlungsempfehlungen zur Prävention
des Tabakkonsums und Förderung des Nichtrauchens

In der „Recherche von Handlungsempfehlungen zur Prävention des Tabakkonsums und Förderung des Nichtrauchens“ wurden verschiedene internationale Handlungsempfehlungen zusammengestellt und aufbereitet: Neben den evidenzbasierten Empfehlungen des Centers for Disease Control and Prevention (CDC – eine Behörde des US-amerikanischen Ministeriums für Gesundheit und Human Services) und des Tobacco Control Networks (TCN – ein Netzwerk aus Mitgliedern der Tabakkontrollprogramme, Gesundheitsbehörden und des Gesundheitsministeriums der USA) werden auch häufig genannte Empfehlungen in weiteren Publikationen aus den USA, Deutschland, Großbritannien und Australien berücksichtigt. Die konkreten Handlungsempfehlungen beziehen sich überwiegend auf verhältnispräventive Maßnahmen für die Umsetzung in Schulen.

Alle Ergebnisse im Detail können Sie in folgendem Dokument nachlesen:
Recherche von Handlungsempfehlungen zur Prävention des Tabakkonsums und Förderung des Nichtrauchens

Empfehlungen zur Tabakprävention für die Lebenswelt Schule

Empfehlenswert für die Lebenswelt Schule sind Maßnahmen, die auf kommunaler oder Länderebene angesiedelt sind. Die Interventionen richten sich an Lehrende, Eltern oder Schülerinnen und Schüler. Besonders nachhaltig erscheinen Maßnahmen zur Tabakprävention, die von unterschiedlichen Akteuren gemeinsam getragen werden. Daher ist es empfehlenswert, dass schulische Maßnahmen mit Maßnahmen innerhalb der Kommune zum Thema Tabakprävention koordiniert werden. Ganz im Sinne des Lebensweltansatzes werden dabei verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen eng miteinander verknüpft.

Verhaltenspräventive Maßnahmen

Rauchen als Unterrichtsthema

Ein positiver Einfluss auf das Rauchverhalten von Kindern und Jugendlichen wird beobachtet, wenn das Thema Rauchen kontinuierlich über die gesamte Schulzeit hinweg in den Unterricht integriert wird. Dabei sollten aktuelle Präventionsansätze berücksichtigt werden. Diese umfassen u. a. die Wissens- und Informationsvermittlung, die Vermittlung von Lebenskompetenzen und die Vermittlung von Kenntnissen zu sozialen Einflussfaktoren wie z. B. Gruppendruck. Der Tabakkonsum kann dabei als Einzelthema in einem umfangreicheren Programm der schulischen Gesundheitsförderung behandelt werden. Denn das Rauchen stellt nur eines von mehreren gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen dar.

Bei der Aufbereitung des Themas im Unterricht steht zunächst die Wissens- und Informationsvermittlung im Vordergrund. Lehrende sollten ihren Fokus dabei auf die altersgerechte Vermittlung von Körperfunktionen, Atmung und Körperwahrnehmung legen. Zudem sollte über die Risiken und Gefahren von Tabak, die Substanzen in Tabakprodukten sowie verbreitete Mythen im Zusammenhang mit dem Tabakkonsum sachlich aufgeklärt werden. In höheren Klassenstufen bietet es sich an, zusätzlich rechtliche, wirtschaftliche und soziale Aspekte des Rauchens, wie die Verbreitung und die Kosten, aber auch die Rolle der Tabakindustrie, zu thematisieren. Gleiches gilt für die negativen Folgen des Rauchens und Passivrauchens für die Gesundheit. Da Wissensvermittlung alleine nicht sehr wirksam ist, wird empfohlen, darüber hinaus spezifische Ansätze zur Förderung der Gesundheitskompetenz durchzuführen. Hierzu zählen u. a. die Förderung der Lebenskompetenz und der Umgang mit sozialen Einflüssen. Für den Erwerb von Gesundheitskompetenz bildet wiederum die Wissensvermittlung eine wichtige Voraussetzung.

Förderung von Lebenskompetenzen

Die Förderung der Lebenskompetenzen gilt als wirksamer ganzheitlicher Ansatz in der Tabakprävention wie auch in der allgemeinen Sucht- und Gewaltprävention. Schülerinnen und Schülern werden dabei Kompetenzen für eine erfolgreiche Lebensbewältigung und Entwicklung einer starken Persönlichkeit vermittelt. Dies hilft den Heranwachsenden auch dabei, dem Rauchen und anderen gesundheitsschädigenden Verhaltensweisen zu widerstehen. Zu den Lebenskompetenzen zählen laut WHO u. a. Kommunikation, Selbstwahrnehmung, Empathie, Selbstbehauptung, der Umgang mit negativen Emotionen oder kreatives und kritisches Denken. In der Lebenswelt Schule können insbesondere die Kommunikationsfähigkeit gefördert und Kompetenzen zur Konflikt- und Problemlösung entwickelt werden. Dazu gehören auch die Förderung und das Angebot von Verhaltensalternativen zum Rauchen. Das können beispielsweise außerschulische Aktivitäten wie Sporttreffs oder eine Theater-AG sein.

Ein Beispiel für ein evaluiertes deutschsprachiges Lebenskompetenzprogramm ist „Eigenständig werden“ – ein Unterrichtsprogramm zur Gesundheitsförderung und Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern für die Klassenstufen 1 bis 4 sowie 5 und 6. Schülerinnen und Schüler erwerben wichtige Gesundheits- und Lebenskompetenzen, die ihnen helfen, einen gesunden Lebensstil zu entwickeln (www.eigenstaendig-werden.de).

Umgang mit sozialen Einflüssen

Bei diesem Ansatz geht es darum, Schülerinnen und Schülern Kenntnisse über soziale Einflussfaktoren zu vermitteln, die beim Tabakkonsum eine wichtige Rolle spielen. So lernen sie u. a. Strategien im Umgang mit Einflüssen wie z. B. Gruppendruck.

Ein Programm mit nachgewiesener Wirksamkeit ist beispielsweise „Be Smart – Don’t Start“, das an sozialen Normen (sozialen Einflüssen) ansetzt. Im Rahmen von Präventionsmaßnahmen entscheiden sich die Schülerinnen und Schüler einer Schulklasse über einen Zeitraum von sechs Monaten nicht zu rauchen und haben anschließend die Chance einen Preis zu gewinnen (www.besmart.info).

Verhältnispräventive Maßnahmen

Rauchfreie Schulen

Mit der Einführung und aktiven Kommunikation von rauchfreien Schulen kann ein deutliches Zeichen für die Förderung des Nichtrauchens und zur Tabakprävention gesetzt werden. Lehrende, aber auch Eltern, nehmen als positive Vorbilder bedeutenden Einfluss darauf, welche Einstellung Schülerinnen und Schüler zum Rauchen entwickeln. Die Wirkung kann durch gemeinsame schulische Präventionsmaßnahmen von Lehrenden und Eltern verstärkt werden und zugleich das Nichtrauchen in den Familien fördern. Im Sinne der Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist es empfehlenswert, sie z. B. bei der Entwicklung von Richtlinien für rauchfreie Schulen mit einzubeziehen.

Gesetze zum Schutz von Minderjährigen

Nachweislich wirksam sind Maßnahmen im Bereich von gesetzlichen Regelungen, z. B. zum Schutz vor Passivrauchen in Schulen oder Beschränkungen für Werbung und den Verkauf von Tabakprodukten in der Nähe von Schulen. Auch das Verbot des Gebrauchs von Tabakprodukten und E-Zigaretten auf dem Schulgelände trägt nachweislich zur Gesundheitsförderung bei.

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