Alkoholprävention in der Schule

Jugendliche in Deutschland erleben ihren ersten Alkoholrausch im Durchschnitt bereits mit 15,9 Jahren. Fast alle haben in diesem Alter schon Erfahrungen mit Alkohol gemacht. Übermäßiger Alkoholkonsum ist in jedem Alter mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Im Jugendalter ist dies besonders problematisch, da die gesundheitliche und soziale Entwicklung negativ beeinflusst wird und langfristige Folgen entstehen können:

  • In diesem Lebensabschnitt werden Konsumgewohnheiten erworben, die das gesamte Leben prägen.
  • Alkoholkonsum im Jugendalter beeinträchtigt die Gesundheit stärker als die von Erwachsenen. So wird beispielsweise die Hirnentwicklung durch Alkoholkonsum im Jugendalter wesentlich gestört.
  • Übermäßiges Trinken von Alkohol ist mit negativen sozialen Folgen verbunden – für die Person selbst und für deren Umfeld.

Die Lebenswelt Schule hat für die Alkoholprävention einen hohen Stellenwert. Lehrkräfte können (mit Unterstützung von Suchtberatungsstellen oder Fach-Pädagogen) Präventionsprogramme durchführen, die sich an Kinder und Jugendliche richten. So können sie die Kinder und Jugendlichen frühzeitig erreichen, was wichtig ist, um Einfluss auf den Umgang mit Alkohol zu nehmen. Schädliches Konsumverhalten kann so reduziert oder gar ausgeschlossen werden, der Erstkonsum kann verzögert werden.
Darüber hinaus können im schulischen Umfeld auch Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien und andere Risikogruppen gut erreicht werden.

Im Folgenden erhalten Sie weitere Informationen sowie Empfehlungen zum Thema Alkoholprävention.

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Hintergrund

Die Basis für die nachfolgend formulierten Informationen und Empfehlungen bilden der Ergebnisbericht „Systematischer Review zur Prävention des Alkoholmissbrauchs bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, erstellt von der GP-Forschungsgruppe Berlin sowie die „Bestandsaufnahme schulbasierter Modelle zur Reduktion oder Verhinderung von riskantem Alkoholkonsum bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, erstellt vom Institut für Therapieforschung München (IFT).

Für beide Berichte wurden Präventionsprogramme für Kinder und Jugendliche recherchiert und dabei die Evidenz und die Wirksamkeit der Interventionen untersucht sowie die Ergebnisse der Recherche bewertet.
Aus den recherchierten Programmen lassen sich konkrete Interventionen zur Umsetzung in der Lebenswelt Schule ableiten; diese sind mehrheitlich verhaltenspräventiv. Hinzu kommen verhältnispräventive Maßnahmen auf kommunaler Ebene, d. h. vor allem regulierende Maßnahmen wie Einschränkung der Werbemöglichkeiten.

Alle Ergebnisse im Detail können Sie in folgenden Dokumenten nachlesen:
Systematischer Review zur Prävention des Alkoholmissbrauchs bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Bestandsaufnahme schulbasierter Modelle zur Reduktion oder Verhinderung von riskantem Alkoholkonsum bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Drei wesentliche Ziele der Alkoholprävention

In der Alkoholprävention werden drei wesentliche Ziele verfolgt, die alle miteinander zusammenhängen und aufeinander aufbauen:

Alkoholprävention zielt darauf, Kinder und Jugendliche für das eigene Verhalten und das Anderer in Bezug auf den Alkoholkonsum zu sensibilisieren.
Die Lebenswelt Schule ist gut geeignet, um Kinder und Jugendliche im Rahmen des regulären Unterrichts über das Thema Alkohol aufzuklären. Eine frühzeitige reflektierte Auseinandersetzung ermöglicht es ihnen, eine kritische Einstellung zum Alkoholkonsum zu entwickeln und mehr Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen.

Den Einstieg in den Alkoholkonsum hinauszuzögern stellt ein wichtiges Ziel in der Alkoholprävention dar. Denn die im Jugendalter erworbenen Konsumgewohnheiten prägen den gesamten Lebensverlauf. Somit ist jeder spätere Beginn des Alkoholkonsums ein Gewinn für die Gesundheit und die soziale Entwicklung der Jugendlichen. Eine frühzeitige und kritische Beschäftigung mit dem Thema Alkohol sowie die Aufklärung über mögliche Folgen des Alkoholkonsums können sogar zur Abstinenz führen.

Ein weiteres Ziel der Alkoholprävention ist es, einen maßvollen und am Genuss orientierten Umgang mit Alkohol zu erreichen und gleichzeitig Alkoholmissbrauch und Hochrisikokonsum vorzubeugen beziehungsweise zu verhindern. Je mehr Jugendliche über die Wirkungsweise von Alkohol und die gesundheitlichen Folgen von regelmäßigem oder übermäßigem Alkoholkonsum (Rauschtrinken) wissen, umso verantwortungsbewusster können sie ihr eigenes Alkoholverhalten steuern.

Verhaltenspräventive Maßnahmen in der Schule

Um die oben genannten Ziele zu erreichen, kommen sowohl verhaltens- als auch verhältnispräventive Maßnahmen zum Einsatz. Im schulischen Kontext stehen verhaltensbezogene Maßnahmen im Vordergrund. Diese alleine – wie z. B. die Wissensvermittlung – zeigen häufig keine ausreichende Wirksamkeit. Ergänzend sollten deshalb verhältnispräventive Maßnahmen wie Einschränkungen der Zugriffsnähe oder der Werbemöglichkeiten hinzukommen, um eine Einstellungs- und Verhaltensänderung zu bewirken. Diese erfolgen zumeist auf kommunaler Ebene (Informationen und Empfehlungen für die Lebenswelt Kommune erhalten Sie unter Alkoholprävention in der Kommune.)

International gibt es zahlreiche verhaltensbezogene Programme zur Alkoholprävention in der Schule, die sich an Kinder und Jugendliche richten. Sie beinhalten u. a.

  • die Wissensvermittlung
  • motivierende Kurzinterventionen im schulischen Kontext oder
  • kontrollierte Trinkexperimente.

Mit allen Maßnahmen sollen Schülerinnen und Schüler darin unterstützt werden, eine gesundheitsfördernde Einstellung zum Alkoholkonsum zu entwickeln und ihr Verhalten entsprechend auszurichten.

Durch die o. g. verhaltensbezogenen Maßnahmen können

  • junge Menschen z. B. lernen, wie sich Alkoholkonzentration, Alkoholmenge und Trinkgewohnheiten in Kombination mit der individuellen körperlichen und seelischen Verfassung auf den Körper auswirken können.
  • Jugendliche erfahren, dass Gereiztheit, Aggression und Gewalt mögliche Konsequenzen übermäßigen Alkoholkonsums sind.
  • Jugendliche in der motivierenden Kurzintervention mehr über die Wirkung von Alkohol erfahren und sich mit ihrer eigenen Trinkmotivation sowie Problemlösungsstrategien auseinandersetzen. Dies erfolgt u. a. durch computergestütztes Lernen oder Interviews/Gespräche.
  • ältere Jugendliche (ab 16 Jahren) an kontrollierten Trinkexperimenten teilnehmen. Diese verdeutlichen die Wirkung von Alkohol und haben Verhaltensänderungen bewirkt.

Die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen ermöglichen es den Heranwachsenden, einen bedachten, risikoarmen Umgang mit Alkohol zu finden oder sich bewusst für die Alkoholabstinenz zu entscheiden.

„Lieber schlau als blau“ ist ein Alkoholpräventionsprogramm für Jugendliche in Schulen. Es enthält die Programmelemente Wissensvermittlung, normbezogenes Feedback, kognitive Umstrukturierung, direkte Alkoholerfahrung in der Peergruppe sowie Übertragung der Informationen auf die eigene Person. Bei dem Programm ist als Wirkung eine Reduktion des Rauschtrinkens zu beobachten.

Mehr lesen: Evaluationsbericht des Projektes „Lieber schlau als blau“

Von besonderer Bedeutung für die Alkoholprävention wie auch für die Suchtprävention im Allgemeinen sind Maßnahmen, die der Stärkung von (Lebens-)Kompetenzen dienen.

Zu den nachhaltigen Interventionen gehört die Stärkung der Resilienz, d. h. der psychischen Widerstandskraft. Dies kann beispielsweise durch ein Lebenskompetenztraining erfolgen, in dem Kompetenzen zur Bewältigung von Herausforderungen im Leben vermittelt werden. Es stärkt Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung ihrer eigenen Identität und Werte sowie ihrer Lebensplanung. Insbesondere Heranwachsende mit einem erhöhten Risiko für Alkoholmissbrauch profitieren von entsprechenden Präventionsprogrammen in der Lebenswelt Schule. Im Lebenskompetenztraining entwickeln sie individuelle Fähigkeiten und Strategien zur Bewältigung von Problemen und Konflikten, um Alkohol nicht (weiter) als Problemlöser zu betrachten und einzusetzen.

Vielfach ist die Alkoholprävention in komplexe Programme zur Gesundheitsförderung in Schulen eingebunden, wie beim Projekt Klasse2000.

Durch dieses Programm ist Gesundheitsförderung und Prävention in den Lehrplänen aller Bundesländer verankert. Ein zentraler Bestandteil im Programm Klasse2000 sind die Gesundheitsförderinnen und Gesundheitsförderer, die Schulklassen mehrmals im Jahr besuchen. Sie kommen aus dem Gesundheitsbereich oder der Pädagogik und werden regelmäßig fortgebildet. In ihren „KLARO-Stunden“ vermitteln sie mit Hilfe spannender Materialien, wie Kinder lernen auf sich selbst zu achten und was sie tun müssen, damit es ihnen gut geht. So erlangen sie Lebenskompetenz und damit die Fähigkeit beispielsweise zu Alkohol „Nein“ zu sagen bzw. ihn nur in Maßen zu konsumieren.

Weitere Ansätze, die Einstellungen und Konsumverhalten beeinflussen können:

Die Lebenswelt Schule bietet auch die Möglichkeit, das Thema Alkohol im sozialen Kontext, innerhalb der Peergroup anzusprechen. Die Schülerinnen und Schüler können sich über das Gelernte austauschen und daraus eigene Verhaltensweisen ableiten. Die Gruppe hat eine große Bedeutung, da sich Jugendliche gegenseitig stark beeinflussen. Indem den Jugendlichen innerhalb von Unterrichtsstunden die Möglichkeit zu diesem Austausch eingeräumt wird, können Lehrkräfte oder auch hinzugezogene (Schul-)Sozialarbeiter/-innen diesen Austausch steuern und bei Bedarf Fragen beantworten.

Die uneingeschränkte Verfügbarkeit insbesondere von Spirituosen (hochprozentigen alkoholischen Getränken) verleitet Jugendliche zum Rauschtrinken. Überwiegend gelangen Jugendliche über Eltern, Freunde oder Geschwister (die sogenannten sozialen Bezugsquellen) an Alkohol. Deshalb ist insbesondere die Aufklärung der Familien empfehlenswert. Präventive Maßnahmen unter Einbezug der Eltern können den Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit und dem Alkoholverhalten von Kindern und Jugendlichen verdeutlichen. Auch die Akzeptanz von Alkohol im engen sozialen Umfeld und der Alkoholkonsum in der Familie können im Rahmen von Interventionen kritisch betrachtet werden.

Wirksamkeit von Interventionen zur Alkoholprävention

Damit Interventionen zum Thema Alkohol im Unterricht wirksam sind, sind gut geschulte Lehrkräfte eine wichtige Voraussetzung. Die Beteiligung der Eltern unterstützt die Zielerreichung in der Regel.
Insgesamt sind Interventionen mit einem persönlichen Kontakt zu den Jugendlichen gegenüber Online-Maßnahmen überlegen. Werden verschiedene Methoden kombiniert (wie PC-gestützte Module, Experimente, interaktive Sequenzen), kann die Wirksamkeit der Gesamtmaßnahme gesteigert werden. Die Dauer einer Präventionsmaßnahme hat hingegen keinen entscheidenden Einfluss auf den Effekt. So zeigen auch Interventionen von wenigen Stunden eine positive Wirkung.

Verhältnispräventive Maßnahmen

Als besonders wirksam im Hinblick auf die Beeinflussung von Einstellung und Verhalten im Umgang mit Alkohol haben sich insbesondere verhältnispräventive Maßnahmen erwiesen. Dabei handelt es sich um regulierende Maßnahmen, die vor allem auf kommunaler Ebene umgesetzt werden. Hierzu zählen beispielsweise die Einschränkung des öffentlichen Alkoholkonsums oder Preiserhöhungen.
In der Lebenswelt Schule selbst können ebenfalls verhältnispräventive Maßnahmen umgesetzt werden. Beispiele sind die Einschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol in der Schule und im unmittelbaren Umfeld (kein Verkauf von Alkohol am Kiosk, kein Alkohol auf Schulfesten etc.) sowie das Alkoholverbot auf Klassenfahrten.

Weitere Informationen zu Maßnahmen auf kommunaler Ebene finden Sie auf der Seite zur Alkoholprävention in der Kommune.

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