Phase 2: Nutzung von Strukturen


Auf einen Blick:

  • Ausgangssituation: Sie haben sich entschieden, in den Gesundheitsförderungsprozess einzusteigen.
  • Inhalt: Sie verschaffen sich einen Überblick über bestehende Strukturen, die für die Bildung eines Steuerungsgremiums in Frage kommen. Prüfen Sie Möglichkeiten zur internen und externen Vernetzung und Zusammenarbeit.
  • Ziel: Sie schaffen einen Ausgangspunkt für die Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen, indem Sie wissen, wie und mit wem Sie ein Steuerungsgremium gründen können. Oder Sie entscheiden, welches bestehende Gremium den Gesundheitsförderungsprozess in Ihrer Einrichtung gestalten und begleiten soll. Darüber hinaus haben Sie weitere Akteure ermittelt, die Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen können.

Prüfen Sie vorhandene Strukturen für Ihre Pflegeeinrichtung!

Um Ihre stationäre Pflegeeinrichtung gesundheitsfördernd zu gestalten, ist es wichtig, die relevanten Akteure (intern und extern) zu ermitteln. Diese Personen können sich später als Steuerungsgremium des Gesundheitsförderungsprozesses zusammenfinden (siehe weiter unten: Aufbau eines Steuerungsgremiums). Dabei können Sie bereits vorhandene Teamstrukturen nutzen. Das Andocken an hausinterne Kommunikationsstrukturen wird im Sinne der Nachhaltigkeit empfohlen.

  • Welche internen Strukturen (z. B. Qualitätszirkel, Ethikbeauftragte, Heimbeirat) sind bereits vorhanden, die genutzt werden können?
  • Welche externen Akteure kommen für eine Zusammenarbeit in Frage? Welche (externen) fachlichen Kompetenzen können ggf. einbezogen werden? Im Bereich Bewegung beispielsweise Sportvereine, Physiotherapeuten etc.
  • Welche Ressourcen (personelle, finanzielle, u. a.) stehen zur Verfügung und können genutzt werden?
  • Welche Gesundheitsförderungsprogramme gibt es in Ihrer Kommune oder in der Nähe Ihrer Einrichtung? Ist es sinnvoll, sie hier einzubinden und können Sie davon profitieren?

Vernetzen Sie sich!

Sie wissen nun, wer Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen könnte. Vielleicht gibt es bereits Kooperationen, Netzwerke oder Partnerschaften, die Sie nutzen können. So lassen sich Kompetenzen bündeln und Synergieeffekte nutzen. Gute Ansprechpartner/-innen sind beispielsweise die Pflegekassen. Weitere geeignete Netzwerkpartner/-innen finden Sie folgender Liste:

  • Vereine (Sport-, Musik-, Gartenbau-, Heimat-  etc.)
  • Therapeuten (Ergo-, Physio-, Lopopäden etc.)
  • Haus-/Fachärzte und Apotheken
  • Kommunen und kommunale Einrichtungen wie der Seniorenbeirat
  • Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen
  • Bildungsstätten und Dienstleister für Bildungsangebote
  • Berufsbildende Schulen mit Bezug zur Pflege
  • Hochschulen und Universitäten mit Bezug zur Pflege und zur Gesundheitsförderung
  • Schulen und Kindergärten
  • Wohlfahrtsverbände
  • Ehrenämtler und Freiwilligengruppen
  • Fördervereine
  • Trägerverbände der Pflegeeinrichtungen
  • Andere Pflegeeinrichtungen
  • Fachverbände wie z. B. die Alzheimer Gesellschaft

Aufbau eines Steuerungsgremiums

Die Bildung eines Steuerungsgremiums trägt entscheidend dazu bei, dass der nachhaltige Strukturaufbau in der stationären Pflegeeinrichtung gelingt. Für die anhaltende Umsetzung und strukturelle Einbindung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen ist es empfehlenswert, dass die Leitung der Einrichtung sowie die Verantwortlichen für das Qualitätsmanagement feste Mitglieder im Steuerungsgremium sind. Denn ihre Entscheidungsbefugnis und Kompetenz sind für das Vorankommen erforderlich. Sie müssen nicht bei jeder Sitzung anwesend sein, sollten aber aktiv einbezogen werden und die Maßnahmen unterstützen.

In jedem Fall sind Pflege- und Betreuungskräfte ebenso wie Pflegebedürftige aktiv mit einzubeziehen. Die Interessen pflegebedürftiger Menschen sollten mindestens durch den Heimbeirat vertreten sein, am besten durch engagierte, an dem Thema Gesundheit interessierte Pflegebedürftige. An der Entwicklung von Maßnahmen können darüber hinaus Angehörige, gesetzliche Betreuer/-innen und das sonstige Umfeld mitwirken und dafür ins Gremium berufen werden. Auch Vertreter/-innen der Pflegekassen können Teil des Steuerungsgremiums sein. Sie bieten fachliche Beratung und zeigen Möglichkeiten der Unterstützung auf.

Das Steuerungsgremium legt selbst fest, wie oft es sich trifft und was zu besprechen ist. Halten Sie Ihre eigenen Arbeitsregeln kurz verbindlich (schriftlich) fest.

Was sind die Aufgaben des Steuerungsgremiums?

Das Steuerungsgremium begleitet den gesamten Prozess. Es hat die Aufgabe, zunächst einmal den Bedarf und die Bedürfnisse zu analysieren. Im nächsten Schritt werden Ziele definiert, die in der stationären Pflegeeinrichtung verfolgt werden sollen. Ebenso gehört es zu den Aufgaben eines Steuerungsgremiums, die einzelnen Schritte der Planung und Umsetzung in Gang zu bringen und den Überblick zu bewahren. Am Ende steht die Evaluation, um zu entscheiden, ob und wie der Prozess fortgeführt wird. Dieser Wegweiser unterstützt Sie bei dem Prozess.

Damit es rund läuft, sollten Sie Aspekte wie Transparenz, Kommunikation, Ressourcen, Motivation und Evaluation bereits zu Beginn und während des gesamten Prozesses im Blick behalten:

Transparenz fördert Vertrauen: Kommunizieren Sie offen und transparent. Informieren Sie alle Beteiligten frühzeitig und unaufgefordert über Ihr Vorhaben und berichten Sie fortlaufend über neue Entwicklungen (z. B. geplante bzw. durchgeführte Maßnahmen) und den Prozessverlauf. Das stärkt das Vertrauen und den Zusammenhalt untereinander und ist wichtig für eine nachhaltige Wirkung.

Reden ist Gold: Setzen Sie von vornherein regelmäßige Treffen für das Steuerungsgremium an. Nach dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ berichtet dabei jede/r über den aktuellen Stand in seinem Aufgabengebiet. Nur wenn alle wissen, was die anderen tun und auf welchem Stand das Vorhaben insgesamt ist, kann das Steuerungsgremium zeitsparend und effektiv arbeiten. Achten Sie darauf, dass die Vertreter/-innen der Zielgruppe sich im Steuerungsgremium wohlfühlen und einbringen können. Das bedeutet gelingende Partizipation.

Informieren Sie die Leitung der Pflegeeinrichtung regelmäßig über den Prozessablauf, falls sie nicht selbst an den Sitzungen teilnimmt. Kommunizieren Sie auch Teilergebnisse. Dies ist wichtig, damit die Unterstützung für Ihr Vorhaben erhalten bleibt.

TIPP

Behalten Sie die Nachhaltigkeit im Blick

Auch wenn Sie gerade erst in den Gesamtprozess einsteigen: Denken Sie bereits jetzt über die Zukunft nach. Was möchten Sie nach erfolgreichem Verlauf des Gesundheitsförderungsprozesses erreicht haben? Was soll sich verändert haben? Wie möchten Sie später überprüfen, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben? Gesundheitsförderung und Prävention sollten nicht mit einer Maßnahme beendet werden. Auch wenn es am Anfang einen Projektcharakter hat, so geht es doch darum, dass sich die Maßnahme verstetigt und nachhaltig in den Alltag der Einrichtung verankert wird. Überlegen Sie, wie dies zu realisieren ist. Eine Möglichkeit ist die Qualifikation von Mitarbeiter/-innen. Mit „eigenen Experten“ ist es einfacher, Maßnahmen nachhaltig in den Pflegealltag zu integrieren.

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