Phase 4: Maßnahmenplanung


Auf einen Blick:

  • Ausgangssituation: Sie haben die Bedarfe und Bedürfnisse  der Pflegebedürftigen ermittelt. Entsprechende Analyseergebnisse liegen vor.
  • Inhalt: In Phase 4 bewerten Sie und das Steuerungsgremium die gesammelten Informationen und legen die Ziele für Ihre stationäre Pflegeeinrichtung fest. Sie wählen konkrete Maßnahmen aus, mit denen Sie diese Ziele erreichen können, und setzen dabei Prioritäten.
  • Ziel: Am Ende von Phase 4 haben Sie mit Blick auf die gesetzten Ziele, die verfügbaren Ressourcen und die spätere Evaluation einen Projektplan zusammengestellt.

Auswertung der Analyseergebnisse

Nehmen Sie sich im Steuerungsgremium Zeit und interpretieren Sie die Informationen, die Sie bei Ihrer Analyse gewonnen haben, in aller Ruhe. Überlegen Sie zunächst, welche Bedarfe sich aus Ihren Analyseergebnissen für die stationäre Pflegeeinrichtung ableiten lassen.

Konzept auf Papier bringen

Pflegekassen unterstützen Sie bei der Planung und Durchführung der Maßnahmen. Dazu müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, beispielsweise die Tatsache, dass solche Maßnahmen nachhaltig in den Alltag der Pflegeeinrichtung integriert werden. Stellen Sie Ihre Überlegungen in einem Konzeptpapier zusammen, das Sie der Pflegekasse oder auch anderen Unterstützenden vorlegen.

Hier haben wir für Sie zusammengestellt, welche Punkte in einem solchen Konzeptpapier beschrieben werden sollten:

  • Konkrete, überprüfbare Ziele im Rahmen der Prävention und Gesundheitsförderung: Welche übergreifenden Ziele und welche Teilziele nach dem SMART-Prinzip (siehe unten) sollen erreicht werden?
  • Dauer und Häufigkeit der Maßnahmen (Kontinuität und Regelmäßigkeit sollten gewährleistet sein, wie wird eine nachhaltige Einbindung in den Alltag sichergestellt?)
  • Qualifikation der Ausführenden
  • Kostenplan einschließlich eines Finanzierungskonzepts, falls mehrere Stellen finanziell unterstützen sollen
  • Geplante Qualitätssicherungsmaßnahmen: Wie wird der Projektablauf dokumentiert? Wie erfolgt die Qualitätssicherung?
  • Geplante Evaluation: Wie erfolgt die Evaluation? Mit welchen Ergebnissen betrachten Sie die Maßnahmen als erfolgreich?
  • Nutzung/Einbindung vorhandener Strukturen: Können Strukturen und Kooperationen innerhalb und außerhalb der Pflegeeinrichtung genutzt werden? Wer genau und in welcher Form? Kann beispielsweise die Kooperation mit einer Hochschule zielführend sein?

SMARTe Ziele setzen

Legen Sie auf Grundlage der Analyseergebnisse entsprechende Ziele fest und achten Sie auf eine klare Formulierung. Dies hilft Ihnen später bei der Durchführung und Kontrolle. Denken Sie über folgende Aspekte nach:

  • Was wollen wir erreichen?
  • Welche Ressourcen können wir nutzen?
  • Welche Ziele sind realistisch?
  • Wie sehen unsere Etappenziele aus?
  • Welche Meilensteine wollen wir zu welchem Zeitpunkt erreicht haben?
  • Woran können wir überprüfen, ob wir unsere Ziele erreicht haben?

Wir raten Ihnen, ein übergreifendes Ziel im Rahmen eines Handlungsfeldes festzulegen und dieses auf erreichbare Teilziele herunterzubrechen. Bestimmen Sie anhand der Wichtigkeit eine Reihenfolge. Es hat sich bewährt, Ziele so zu formulieren, als seien sie bereits erreicht, beispielsweise:

Ziel: Die Pflegebedürftigen erhalten ihre Beweglichkeit und Mobilität.

Teilziel 1:  In der Pflegeeinrichtung ist Ende des Jahres systematisch überprüft, wo und wie das Konzept zum Erhalt der Beweglichkeit und Mobilität der Pflegebedürftigen verbessert werden kann. Interne Vorgaben sind entsprechend angepasst.

Teilziel 2:  In der Pflegeeinrichtung wird ab Februar wöchentlich ein bewegungsförderndes Gruppenkursangebot durchgeführt. Das Angebot wird auch auf (mögliche) kognitive Beeinträchtigungen der pflegebedürftigen Menschen abgestimmt. Pflegebedürftige werden motiviert und unterstützt, daran teilzunehmen.

  Formulieren Sie die Ziele…

  Das bedeutet…

  S – Spezifisch                            

Die Ziele zeigen auf, wie und wo eine Veränderung stattfinden soll.

  M – Messbar

Die Ziele lassen sich überprüfen.

  A – Akzeptiert

Die Zielgruppe(n) sehen die Veränderung als notwendig an.

  R – Realistisch

Das Ziel muss in der festgelegten Zeit und unter den individuellen Voraussetzungen in der Kommune tatsächlich erfüllbar sein.

  T – Terminiert

Das Ziel muss zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht sein.

Gemeinsam Maßnahmen planen

Wenn die Ziele gesetzt sind, können Sie mit der konkreten Planung beginnen. Legen Sie die Maßnahmen fest, die Ihnen zur Zielerreichung geeignet erscheinen. Ihr Maßnahmenplan sollte sowohl auf das gesundheitsfördernde Verhalten von pflegebedürftigen Menschen, als auch auf die Rahmenbedingungen (Verhältnisse) der stationären Pflegeeinrichtung ausgerichtet sein.   

Es empfiehlt sich hier, einen Maßnahmenplan aufzustellen. So können Sie Ihre Ziele, Meilensteine und geplanten Maßnahmen je nach Dringlichkeit in eine sinnvolle Struktur bringen, die auch den zeitlichen Ablauf widerspiegelt.

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Meilensteine:

Eine wichtige Methode zur Kontrolle des Verlaufs und Erfolgs Ihres Vorhabens

Meilensteine „portionieren“ den Ablauf. Sie markieren wichtige Abschnitte des Vorhabens. Sie werden als festes Datum in der Planung eingetragen. Mithilfe von Meilensteinen kann abgeklärt werden, inwieweit das Vorhaben bezüglich Auftrag und Planung auf dem richtigen Weg ist und an welcher Stelle möglicherweise Änderungen notwendig geworden sind.

Nachhaltig planen

Bedenken Sie auch, dass die Maßnahmen, die Sie durchführen, nachhaltig in der stationären Pflegeeinrichtung wirken sollten. Wenn Sie beispielsweise Mitarbeiter/-innen maßnahmenbezogen fortbilden oder Veränderungen in Räumen und Abläufen vornehmen, dann sind dies Investitionen in die Zukunft, von der Ihre Einrichtung lange profitieren kann. Nachhaltig sind Maßnahmen, die fester Teil des Alltags in Ihrer stationären Pflegeeinrichtung werden, zum Beispiel wenn ein Gewaltpräventionskonzept gelebte Praxis in der Einrichtung wird oder wenn sich aus einem Projekt „Den Frühling begrüßen“ ein festes Angebot in Kooperation mit dem Kantor der benachbarten Kirchengemeinde entwickelt, bei dem einmal im Monat gemeinsam gesungen wird – abwechselnd in der Kirche und in der Pflegeeinrichtung.

  • Was muss berücksichtigt werden, damit möglichst viele pflegebedürftige  Menschen Ihrer stationären Pflegeeinrichtung die Möglichkeit haben, von den Maßnahmen zu profitieren? Welche Motivation und Unterstützung ist notwendig?
  • Berücksichtigen die Maßnahmen die jeweiligen Fähigkeiten der angesprochenen Pflegebedürftigen?
  • Werden kulturelle, soziale und geschlechtsspezifische Unterschiede und die Vielfalt berücksichtigt?
  • Sind Fachkräfte, die für die Durchführung verantwortlich sind, ausreichend qualifiziert? Sind maßnahmenbezogene Fortbildungen erforderlich?
  • Sieht die Planung eine regelmäßige Durchführung der Maßnahmen vor?
  • Lassen sie sich perspektivisch in den Alltag der stationären Pflegeeinrichtung integrieren?

Verantwortlichkeiten regeln

Legen Sie bei der Maßnahmenplanung auch gleich die Verantwortlichkeiten innerhalb des Steuerungsgremiums fest. Beziehen Sie Ihre Kooperationspartner/‑innen ein, wenn Sie die einzelnen Maßnahmen planen und Schritte festlegen und ergänzen Sie maßnahmenspezifisch ggf. die Liste Ihrer Kooperationspartner/‑innen. Die Antworten auf folgende Fragen könnten helfen:

Wer kann Sie unterstützen? Worauf können Sie aufbauen, welche Erfahrungen können Sie nutzen?

Dabei hilft: Je konkreter Sie den Bedarf und die Zielgruppe(n) festgestellt haben, desto einfacher können Sie prüfen, welche Akteure Sie für die weitere Planung und Umsetzung hinzuziehen und auf welche bestehenden Strukturen Sie aufbauen können und sollten

Auch hilft es, sich intensiver mit dem Handlungsfeld zu befassen, das Sie angehen wollen. Unabhängig davon, ob es sich beispielsweise darum handelt,

  • das Umfeld zu ändern, damit den Pflegebedürftigen die Teilhabe an sozial anerkannten Aktivitäten zur Stärkung der psychosozialen Gesundheit ermöglicht wird;
  • Gruppenangebote einzurichten, um die körperliche Aktivität der pflegebedürftigen Menschen zu verbessern oder
  • die Ernährungskonzepte anzupassen.

In Phase 2 haben wir Ihnen eine Liste möglicher Netzwerkpartner/-innen eingestellt.

TIPP

Projekttagebuch als dauerhafter Begleiter

Halten Sie Ihre Beschlüsse schriftlich fest, damit Sie und Ihre Mitstreiter/-innen sie jederzeit noch einmal nachlesen können. Welche spezifischen Ziele möchten Sie erreichen und wie sieht/sehen die konkrete(n) Maßnahme(n) aus? Wer ist wofür zuständig?

Legen Sie dazu beispielsweise ein Projekttagebuch an. Dies kann in Form eines „Buches“, das fortlaufend befüllt wird, erfolgen oder auch als eine Sammlung von Protokollen und anderen Verschriftlichungen innerhalb eines Ordners – selbstverständlich auch elektronisch. Aufzeichnungen sind ein wichtiges Hilfsmittel während des gesamten Gesundheitsförderungsprozesses. Halten Sie beginnend mit den Zielen und der Maßnahmenplanung den Verlauf des Prozesses und die Zwischenergebnisse fest. Dies ist auch wichtig, falls im Laufe des Prozesses neue Mitstreiter/-innen hinzukommen. Die regelmäßige Dokumentation gibt Ihnen einen guten Überblick, ob Sie an alles gedacht haben und ermöglicht Ihnen, Fortschritte zu erkennen und Ziele zu überprüfen.

TIPP

Planen Sie realistisch

Überfordern Sie sich nicht. Vielleicht haben Sie viele Bedarfe und Bedürfnisse festgestellt. Setzen Sie sich dennoch nicht unter Druck. Es lässt sich nicht alles auf einmal lösen. Gehen Sie deswegen Schritt für Schritt vor und priorisieren Sie die Maßnahmen. Das geht z. B, in einer Vier-Felder-Matrix: rechts schreiben Sie Maßnahmen auf, die eher einen langen Atem brauchen und links Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können. Oben schreiben Sie Maßnahmen auf, von denen Sie sich besonders große Effekte erwarten und unten, die, die eher für wenige Menschen wichtig sind. Beginnen Sie mit den Maßnahmen oben links, damit Erfolge schnell für alle sichtbar sind. Zweite Priorität sind Maßnahmen oben rechts. Maßnahmen, die unten rechts stehen, haben die geringste Priorität. Unterscheiden Sie zwischen Wunsch und Wirklichkeit und behalten Sie immer die Situation Ihrer Einrichtung im Blick.

Zielgruppe(n) ins Boot holen

Für den Erfolg ist es wichtig, dass alle Beteiligten die Ziele mittragen. Denken Sie bei der Planung daher unbedingt daran, die pflegebedürftigen Menschen Ihrer Einrichtung einzubinden. Gewinnen Sie auch Angehörige für die Mitwirkung. So können Sie sichergehen, dass Sie bei der Zielsetzung die tatsächlichen Bedürfnisse berücksichtigen. Mit dem Prinzip der Partizipation erhöhen Sie die Chance, dass Ihre Maßnahmen und Ziele angemessen sind und eine nachhaltige Wirkung zeigen. Es entwickelt sich eine möglichst große Akzeptanz der Ziele, steigert die Identifikation mit den gesundheitsfördernden Angeboten und damit auch die Motivation für Veränderungsprozesse.

TIPP

Bleiben Sie präsent

Halten Sie die Pflegebedürftigen ebenso wie deren Angehörige und die Mitarbeiter/-innen über das Projekt auf dem Laufenden. Sie können beispielsweise auf einer Stellwand im Foyer die geplanten Maßnahmen ankündigen und Schritt für Schritt den Weg dokumentieren oder vielleicht haben Sie eine Einrichtungszeitung? Laden Sie Interessierte ein, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Berichten Sie bei den üblichen Zusammenkünften in Ihrer Einrichtung – z. B. Leitungsrunde, „Aktuelle Stunde“, Angehörigen-Treff etc. – kurz, aber regelmäßig über Ihre Planungen bzw. den Stand des Vorhabens.

TIPP

Erfolg im Blick behalten

Denken Sie schon bei der Maßnahmenplanung an die Erfolgsmessung und planen Sie eine begleitende Evaluation von Anfang an mit ein.
Mehr zur Evaluation erfahren Sie in Phase 6.

Unterstützung durch die Pflegekassen

Pflegekassen können Sie bei der Planung von Maßnahmen der Gesundheitsförderung unterstützen und dadurch die Qualität der Maßnahmen verbessern. Die geförderten Maßnahmen orientieren sich am Leitfaden Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen und den dort dargelegten Handlungsfeldern Ernährung, körperliche Aktivität, kognitive Leistungsfähigkeit, psychosoziale Gesundheit und Gewaltprävention. Pflegekassen stehen Ihnen während des gesamten Prozesses als Ansprechpartner zur Verfügung.

Gesundheitsförderungsmaßnahmen in stationären Pflegeeinrichtungen werden von den Pflegekassen unterstützt, wenn die Ziele und Maßnahmen konzeptionell fundiert sind und bestimmten Kriterien entsprechen. Wichtig ist beispielsweise, dass der Bedarf für die Maßnahme nachweisbar ist und die Ziele klar definiert sind. Es geht darum, gesundheitsfördernde Strukturen in der Pflegeeinrichtung zu schaffen. Weitere Informationen zu den Kriterien der Pflegekassen erfahren Sie auf der Seite "Kriterien zur Unterstützung".

Für weitere Unterstützung und konkrete Maßnahmen oder Module wenden Sie sich an Ihre Pflegekasse vor Ort.

Sofern die Pflegekassen die Gesundheitsförderungsmaßnahmen nach § 5 SGB XI in Ihrer stationären Pflegeeinrichtung unterstützen, dokumentiert die Pflegekasse die unternommenen Aktivitäten. Diese Angaben gehen in den jährlichen Präventionsbericht ein, den der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund (MDS) gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband herausgibt. Damit die Dokumentation und Berichterstattung aussagekräftig ist, kann es sein, dass die Pflegekassen Sie mittels eines Auskunftsbogens um Angaben bitten. 

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Alle Pflegebedürftigen dürfen teilnehmen

Maßnahmen, die durch eine Pflegekasse unterstützt werden, können von allen pflegebedürftigen Menschen genutzt werden. Es ist nicht relevant, welche Kasse die Unterstützung leistet und bei welcher Kasse die einzelnen pflegebedürftigen Teilnehmenden versichert sind.

TIPP

Denken Sie an die rechtzeitige Kostenplanung!

Die meisten Vorhaben kosten Geld, deswegen muss die Finanzierung vorab geklärt werden. Sind Anschaffungen notwendig? Sind Fortbildungen für Pflege- und Betreuungskräfte erforderlich? Je nach Thema kann es auch notwendig sein, externe Fachleute gegen Honorar zu verpflichten.

Die Budgets von stationären Pflegeeinrichtungen sind begrenzt. Möglicherweise lassen sich für Investitionen finanzielle Unterstützer/-innen gewinnen. Für Investitionen wie z. B. bauliche Veränderungen, die Umgestaltung der Gartenanlage oder die Möblierung eines Lesezimmers, ist der Träger der Einrichtung zuständig.

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