Phase 3: Analyse


Auf einen Blick:

  • Ausgangssituation: Sie haben ein Steuerungsgremium gebildet, das sich intensiver mit den Aufgaben der Gesundheitsförderung in Ihrer stationären Pflegeeinrichtung beschäftigt.
  • Inhalt: In Phase 3 nehmen Sie die Gesundheitssituation, die Belastungen und die Gesundheitsprobleme in Ihrer Pflegeeinrichtung sowie die Bedürfnisse der anvisierten Zielgruppe(n) genau unter die Lupe.
  • Ziel: Am Ende von Phase 3 wissen Sie, welche Maßnahmen für Ihre Pflegeeinrichtung besonders sinnvoll erscheinen und haben bereits Anknüpfungspunkte für das weitere Vorgehen.

Status quo sorgfältig analysieren

An dieser Stelle ist es Zeit, die gesundheitliche Situation in Ihrer stationären Pflegeeinrichtung genauer unter die Lupe zu nehmen. Folgende Fragen helfen Ihnen, die Herausforderungen in Ihrer Pflegeeinrichtung besser einschätzen zu können:

  • Welche gesundheitlichen und psychosozialen Herausforderungen sind in Ihrer stationären Pflegeeinrichtung konkret festzustellen?
  • Welche Faktoren können das Ziel einer „Gesundheit für alle“ behindern und welche können es fördern? Wie können gerade auch dementiell stark veränderte und in der Mobilität stark beeinträchtigte Menschen von gesundheitsfördernden Maßnahmen profitieren? Wie können sich aktivierende Pflege und Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention sinnvoll ergänzen?
  • Was würde die Gesundheit und das Wohlbefinden der pflegebedürftigen Menschen verbessern? Wie sehen ihre Bedürfnisse aus?
  • Was tun Sie bereits, um die soziale Teilhabe und die Selbstbestimmung Pflegebedürftiger zu unterstützen? Wo können Sie noch besser werden?
  • Was gibt es in Ihrer Pflegeeinrichtung bereits für gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen und Angebote? Was fehlt noch?
  • Können bereits vorhandene Strukturen genutzt, erweitert und stabilisiert werden?

Belegen Sie den Bedarf

In der Analysephase ist es wichtig, den Bedarf, den Sie für Ihre stationäre Pflegeeinrichtung festgestellt haben, anhand von Daten z. B. Kennzahlen aus eigenen Erhebungen, Befragungen oder aus wissenschaftlichen Erhebungen wie die jährlichen Pflegereporte der Pflegekassen oder Pflege-Qualitätsberichte zu belegen. Dies bietet eine gute Argumentationsgrundlage und erleichtert Ihnen, Ihr Vorhaben weiter voranzutreiben. Auch für die spätere Evaluation sind solche Daten hilfreich.

Beteiligen Sie die Zielgruppe(n) – erfragen Sie deren Bedürfnisse

Neben dem Bedarf, den Sie für eine Zielgruppe sehen, ist es wichtig, deren Bedürfnisse zu erfragen. Was ist gemeint? Ein Bedarf lässt sich objektiv, beispielsweise durch Datenerhebungen, nachweisen. Dies ist jedoch nicht gleichzusetzen mit den Bedürfnissen der Zielgruppe. Durch aktiven Einbezug (Partizipation) erhöhen Sie die Chance, dass Ihre Maßnahmen und Ziele die wesentlichen Bedarfe und Bedürfnisse in Ihrer Einrichtung treffen und eine nachhaltige Wirkung haben.

Beziehen Sie dabei auch, die Mitarbeiter/-innen Ihrer stationären Pflegeeinrichtung mit ein. Sie denken im Sinne der Pflegebedürftigen, kennen sie gut und können  deren Bedürfnisse benennen. Vor allem bei den Pflegebedürftigen, die nur noch eingeschränkte Kompetenzen haben, sich selbst mitzuteilen, können die Mitarbeiter/-innen dabei unterstützen die Bedürfnisse festzustellen. Dieses Vorgehen erhöht die Akzeptanz – sowohl bei den Pflegebedürftigen als auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, es steigert die Identifikation mit den gesundheitsfördernden Angeboten und damit auch die Motivation für Veränderungsprozesse. Alle Beteiligten tragen den Gesundheitsförderungsprozess mit und damit zum Projekterfolg wesentlich bei.

Für die Analyse der Bedürfnisse können Sie unterschiedliche Instrumente nutzen:

  • Gesprächsrunden unterschiedlicher Größe mit Leitfragen (im Sinne einer Fokusgruppe), wie z. B. Was bedeutet für Sie Gesundheit? Oder: Was ist aus Ihrer Sicht für die Stärkung kognitiver Ressourcen wichtig?
  • Narrative oder themenfokussierte Interviews: Erfahren Sie in persönlichen Gesprächen, welche Sichtweise die Pflegebedürftigen und/oder die Mitarbeiter/-innen auf Gesundheitsförderung haben und welche Ideen ihnen für die Umsetzung einfallen.   
  • Befragungen (der Pflegebedürftigen und der Mitarbeiter/-innen, s. „Beteiligen Sie die Zielgruppe(n) – erfragen Sie deren Bedürfnisse“): Verwenden Sie Fragebögen, auf Papier oder digital, um (anonym) die Vorstellungen und Bedürfnisse zu erfahren.
  • Begehungen: Gehen Sie mit der Steuerungsgruppe durch Ihre Einrichtung als seien Sie zum ersten Mal da – was fällt Ihnen auf? Nutzen Sie diese Eindrücke für erhellende Einblicke auf dem Weg zu einer gesundheitsfördernden Einrichtung.
  • Peer-Interviews: Pflegebedürftige befragen andere Pflegebedürftige – untereinander redet es sich manchmal leichter.
  • Photo-Voice: Die Pflegebedürftigen machen Fotos zum Thema Gesundheit in Ihrer Einrichtung und werten sie gemeinsam in Einzel- oder Gruppengesprächen aus.
TIPP

Lassen Sie alle Pflegebedürftigen entsprechend ihren Möglichkeiten partizipieren

Pflegebedürftige Menschen sind in unterschiedlichem Ausmaß körperlich, kognitiv oder psychisch beeinträchtigt. Manche haben deshalb Schwierigkeiten, sich mitzuteilen und ihre Bedürfnisse zu äußern. Andere haben Angst, Kritik könnte sich negativ auf ihre Versorgung auswirken. Schaffen Sie ein Klima des Vertrauens und suchen Sie nach passenden Methoden, die die jeweiligen Fähigkeiten berücksichtigen. Lassen sich Bedürfnisse eher in persönlichen Gesprächen erfassen oder regt eine Diskussion mit Mehreren kreative Ideen an? Sind kurze Termine in geringen Abständen besser, um thematisch anknüpfen zu können? Planen Sie Zeit ein und arbeiten Sie nicht in zu großen Gruppen. Hören Sie gut zu, hinter scheinbar sinnlosen Antworten versteckt sich oft ein entscheidender Kern. Suchen Sie den Austausch mit den Angehörigen. Auch Mitarbeiter/-innen können wichtige „Vermittler“ sein.
Studentische Projekte könnten Ihnen vielleicht dabei helfen.

TIPP

Mitarbeiter/-innen profitieren gleich mit

Der Gesundheitsförderungsprozess richtet sich an die Pflegebedürftigen in stationären Pflegeeinrichtungen. Gleichzeitig unterstützen solche Maßnahmen und Projekte auch die Gesundheit der Mitarbeiter/-innen, indem gesundheitliche Ressourcen der Pflegebedürftigen gestärkt und die gesundheitliche Situation sich verbessert oder auf einem gleichbleibenden Niveau länger bestehen kann. Auch die allgemeine Atmosphäre wird sich in der Einrichtung verbessern, wenn sich die pflegebedürftigen Menschen wohler fühlen. Darüber hinaus haben Maßnahmen der Gesundheitsförderung in stationären Pflegeeinrichtungen dann eine besonders nachhaltige Wirkung, wenn Maßnahmen der Prävention für Pflegebedürftige mit Maßnahmen betrieblicher Gesundheitsförderung verbunden werden. Mehr dazu können Sie im Leitfaden Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen nachlesen. 

TIPP

Nutzen Sie vorhandene Ressourcen und Expertisen

Führen Sie eine Erfahrungs- und Kompetenzabfrage unter Ihren Kolleginnen und Kollegen durch. Fragen Sie auch nach Hobbies und privaten Fähigkeiten, z. B. Entspannungs- und Bewegungstechniken oder Meditation. Oder wissen Sie bereits von solchen Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter/-innen? Dann sprechen Sie sie gezielt an. Ihre Kolleginnen und Kollegen werden sich darüber freuen ihre Expertise einsetzen zu können. Vielleicht zeigt der Eine oder die Andere großes Interesse an verschiedenen Fort- und Weiterbildungsangeboten, beispielsweise zur Gewaltprävention. Auch manche Angehörige oder Pflegebedürftige können möglicherweise Fähigkeiten einbringen. Nebeneffekt: Kolleginnen und Kollegen, Pflegebedürftige sowie Angehörige beteiligen sich am Projekt und fühlen sich wertgeschätzt.

Mit Hilfe der Analyse der Bedarfe und Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen Ihrer Pflegeeinrichtung, erhalten Sie Erkenntnisse darüber, in welchen Handlungsfeldern Sie sinnvolle Maßnahmen durchführen können. Welche dieser möglichen Maßnahmen Sie wie umsetzen, entscheiden Sie in Phase 4.

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