Kriterien zur Unterstützung von präventiven Leistungen der Pflegekassen für gesundheitsfördernde Pflegeeinrichtungen

Sie möchten Ihre stationäre Pflegeeinrichtung gesundheitsfördernder gestalten? Die Pflegekassen unterstützen Sie bei der Entwicklung, Implementierung und Evaluation von geeigneten Maßnahmen. Unterstützt werden Angebote, Konzepte und Programme der Verhältnisprävention und der Verhaltensprävention, die nachhaltig bei Ihnen eingeführt werden und alle Akteurinnen und Akteure der stationären Pflege mit einbeziehen.

Gesundheitsförderung und Prävention nach dem Lebensweltansatz hat immer die ganze Pflegeeinrichtung im Blick. Das bedeutet, dass Maßnahmen unter möglichst direkter und kontinuierlicher Beteiligung von pflegebedürftigen Menschen, deren Angehörigen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern miteinander verknüpft werden. Durch die gesundheitsfördernden Maßnahmen sollen die gesundheitsfördernden Potenziale von Pflegeeinrichtungen gestärkt werden.

  • Die Pflegeeinrichtung richtet ein Steuerungsgremium ein, das sich mit der Prävention und Gesundheitsförderung der Pflegebedürftigen befasst und die Umsetzung von Maßnahmen begleitet.
  • Die gesundheitliche Situation und Ressourcen der Pflegebedürftigen werden unter deren Beteiligung verbessert oder erhalten.
  • Alle Akteure (Hausleitung, Mitarbeitende, Betreuende, Pflegebedürftige, Angehörige usw.) werden für die Prävention und Gesundheitsförderung von pflegebedürftigen Menschen sensibilisiert.
  • Die Ernährungssituation der Pflegebedürftigen wird verbessert:
    • Es wird stets die orale Ernährung der pflegebedürftigen Menschen angestrebt und die Fähigkeit zur oralen Nahrungsaufnahme erhalten.
    • Durch eine Verbesserung des Ernährungsangebotes (z. B. nach den DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in stationären Senioreneinrichtungen) und die Optimierung der Situation beim Essen wird das Risiko einer Mangelernährung reduziert.
  • Die körperliche Aktivität der Pflegebedürftigen wird erhalten oder gesteigert:
    • Die Pflegebedürftigen erhalten die Möglichkeit regelmäßig an Bewegungsprogrammen in der Gruppe teilzunehmen, deren Ausrichtung sich an ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit orientiert.
    • Durch eine gezielte Motivation der Pflegebedürftigen zu mehr körperlicher Aktivität im Alltag wird die körperliche Leistungsfähigkeit besser erhalten.
    • Es wird eine bessere Gleichgewichtsfähigkeit der Pflegebedürftigen durch die Kombination von Gleichgewichtsübungen mit einem Krafttraining erreicht.
  • Die kognitive Leistungsfähigkeit der Pflegebedürftigen wird bestmöglich erhalten oder verbessert:
    • Das kognitive Training und kognitive Stimulationen werden auf die individuelle kognitive Leistungsfähigkeit und die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen abgestimmt.   
    • Durch Übungen mit komplexen mentalen Leistungsanforderungen wird der Verlust kognitiver Leistungsfähigkeit reduziert.
    • Regelmäßige Angebote zur Stärkung kognitiver Fähigkeiten, die über reines Gedächtnistraining hinausgehen, tragen zum Erhalt der kognitiven Leistungsfähigkeit bei.
  • Die psychosoziale Gesundheit wird durch die Stärkung der Resilienz unterstützt:
    • Das Angebot von Freizeitaktivitäten in Gruppen, insbesondere für Pflegebedürftige mit einer Demenzerkrankung, fördert das Wohlbefinden der Menschen.
    • Durch die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe wird das Auftreten depressiver Symptome vermindert.
    • Eine Stärkung von Resilienz und Kohärenzempfinden der pflegebedürftigen Menschen wird durch die Teilhabe an sozial anerkannten Aktivitäten erreicht.
  • Gewaltereignisse mit gesundheitlichen Folgen werden vermieden:
    • Eine gewaltfreie Pflege wird durch die Sensibilisierung und regelmäßige Schulung der Leitenden und Mitarbeitenden erreicht.
    • Es werden Konzepte für eine gewaltfreie Pflege partizipativ entwickelt und umgesetzt.
    • Handlungsleitlinien werden erarbeitet, die allen Beteiligten Sicherheit und Klarheit geben im Umgang mit Verdachtsfällen und bei Gewaltvorkommnissen in der stationären Pflege.
    • Die Bestimmung eines Präventionsbeauftragten kann das Ziel unterstützen, Übergriffe und Gewalt in Pflegeeinrichtungen zu verhindern und als kontinuierliches Thema zu begleiten.

Unterstützung durch die Pflegekassen

Die Pflegekassen können Sie bei lebensweltbezogener Gesundheitsförderung und Prävention z. B. mit Moderationsleistungen oder qualitätsgesicherten Konzepten und Programmen unterstützen. Die geförderten Maßnahmen orientieren sich grundsätzlich am Gesundheitsförderungsprozess (siehe Wegweiser Pflegeeinrichtungen).

Damit eine Unterstützung durch die Pflegekassen erfolgen kann, müssen die folgenden Voraussetzungen des Leitfadens Prävention in der stationären Pflege des GKV-Spitzenverbandes erfüllt sein oder im Rahmen der Maßnahme erfüllt werden:

Voraussetzungen und Anforderungen für Leistungen zur Prävention und Gesundheitsförderung in stationären Pflegeeinrichtungen:

  • Es muss eine Vereinbarung zwischen der stationären Pflegeeinrichtung und der Pflegekasse getroffen werden. In dieser Vereinbarung müssen mindestens der Umfang und die zeitliche Dauer der Unterstützung durch die jeweilige Pflegekasse festgelegt sein.
  • Die Nachhaltigkeit der umgesetzten Maßnahmen in den Pflegeeinrichtungen muss sichergestellt sein. Dazu müssen die Maßnahmen dauerhaft in den Pflegeeinrichtungen implementiert und kontinuierlich angewandt werden. Darüber hinaus müssen die Maßnahmen entsprechend des Gesundheitsförderungsprozesses verstetigt werden.
  • Offener Zugang: Die Maßnahmen stehen grundsätzlich allen pflegebedürftigen Menschen in voll- und teilstationären Pflegeeinrichtungen offen, unabhängig davon, bei welcher Pflegekasse sie versichert sind. Dies gilt auch, wenn nicht alle Pflegekassen bei der jeweiligen Maßnahme beteiligt sind. 
  • Ausrichtung: Die geplanten Aktivitäten sollen die gesundheitlichen Ressourcen und Fähigkeiten der Pflegebedürftigen in Pflegeeinrichtungen stärken.
  • Vielfalt/Diversität: Die Vielfalt/Diversität der pflegebedürftigen Menschen in Pflegeeinrichtungen wird berücksichtigt. Dazu gehören u. a. Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund.
  • Qualifikation: Fachkräfte der Pflegekassen oder von Pflegekassen beauftragte Fachkräfte, die die in den einzelnen Handlungsfeldern aufgeführten verhaltenspräventiven Maßnahmen durchführen, verfügen über folgende grundsätzliche Voraussetzungen:
    • Grundqualifikation: staatlich anerkannter Berufs- oder Studienabschluss im jeweiligen Handlungsfeld
    • Zusatzqualifikation: spezifische, in der Fachwelt anerkannte Fortbildung
    • Einweisung in die durchzuführenden Maßnahmen

Die jeweilige Anerkennung der Qualifikation obliegt den Pflegekassen.

  • Partnerschaften: Vorhandene Strukturen, Einrichtungen, Netzwerke sowie Akteurinnen und Akteure werden möglichst genutzt bzw. eingebunden. 
  • Konzeptionierung: Vorlage eines Konzepts zur Beschreibung der Maßnahme, insbesondere mit Angaben
    • zur Zielrichtung (Zieldefinition erfolgt möglichst operationalisiert; dabei ist die Ausrichtung auf die Prävention/Gesundheitsförderung zu beachten),
    • zur Dauer (Kontinuität und Regelmäßigkeit sollten gewährleistet sein), 
    • zur Qualifikation der Ausführenden,
    • zu den Kosten einschließlich eines Finanzierungskonzepts, 
    • zu Qualitätssicherungsmaßnahmen, 
    • zur Evaluation der Maßnahme sowie
    • zur Nutzung/Einbindung vorhandener Strukturen.
  • Partizipation: In den gesamten Präventions-/Gesundheitsförderungsprozess sollten die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen aktiv einbezogen werden.
  • Transparenz: Die Akteurinnen und Akteure informieren sich gegenseitig laufend über den jeweils aktuellen Sachstand bzgl. der jeweiligen Maßnahme.

Folgende Leistungen und Maßnahmen sind von einer Förderung durch die Pflegekassen ausgeschlossen:

  • Leistungen der stationären Pflegeeinrichtungen, die im Rahmen der aktivierenden Pflege gemäß § 11 SGB XI bzw. aufgrund individueller Bedarfe und Bedürfnisse im Rahmen der Pflege, Betreuung (einschließlich zusätzlicher Betreuung) und hauswirtschaftlichen Versorgung nach §§ 41, 42, 43 und 43b i. V. m. § 85 Abs. 8 SGB XI zu erfolgen haben 
  • Maßnahmen zur Beseitigung, Minderung oder Verhütung einer Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit im Sinne von § 18 Abs. 1 Satz 3 SGB XI
  • Leistungen, die zu den Pflichtaufgaben anderer Einrichtungen oder die in den Zuständigkeitsbereich anderer Leistungsträger gehören; insbesondere die Finanzierung von Heil- und Hilfsmitteln nach §§ 32 ff. SGB V
  • Finanzierung von Pflegehilfsmitteln nach § 40 SGB XI
  • Finanzierung von Baumaßnahmen, Einrichtungsgegenständen, Mobiliar und technischen Hilfsmitteln
  • Finanzierung beruflicher Ausbildungen
  • Finanzierung von Qualifizierungsmaßnahmen, die nicht an die Maßnahme gebunden sind
  • Finanzierung von Qualifizierungsmaßnahmen, deren Kosten bereits in den vereinbarten Pflegesätzen der Pflegeeinrichtungen enthalten sind 
  • Regelfinanzierung von auf Dauer angelegten Stellen, z. B. in Beratungseinrichtungen
  • auf einzelne Pflegebedürftige bezogene Abrechnungen von Maßnahmen
  • isolierte, d. h. nicht in ein Gesamtkonzept eingebundene Maßnahmen
  • Forschungsprojekte/Screenings ohne Interventionsbezug
  • Aktivitäten von politischen Parteien sowie parteinahen Organisationen und Stiftungen
  • Aktivitäten, die Werbezwecken für kommerzielle Einrichtungen, Organisationen oder Produkte dienen
  • ausschließlich auf Öffentlichkeitsarbeit ausgerichtete Aktionen, Informationsstände oder ausschließlich mediale Aufklärungskampagnen
  • Angebote, die weltanschaulich nicht neutral sind 

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