Phase 2: Nutzung/Aufbau von Strukturen


Auf einen Blick

  • Ausgangssituation: Sie haben sich entschieden, in den Gesundheitsförderungsprozess einzusteigen
  • Inhalt: Sie verschaffen sich einen Überblick über bestehende Strukturen wie beispielsweise Steuerungsgremien und Akteure zu dem Thema, das Sie für besonders wichtig erachten. Und Sie prüfen Möglichkeiten zur internen und externen Vernetzung und Zusammenarbeit.
  • Ziel: Sie schaffen einen Ausgangspunkt für die Umsetzung gesundheitsförderlicher Maßnahmen, indem Sie wissen, wie und mit wem Sie ein Steuerungsgremium gründen können, das Sie mit Kompetenz und Befugnis begleitet. Oder Sie entscheiden sich, mit welchem bestehenden Steuerungsgremium Sie künftig zusammenarbeiten möchten. Darüber hinaus haben Sie weitere Kooperations- und Koordinationsstrukturen ermittelt, die Sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen können.

So steigen Sie in den Gesundheitsförderungsprozess ein

Um Ihre Kommune gesundheitsförderlich zu gestalten, benötigen Sie eine Struktur, das heißt ein Netzwerk aus relevanten Akteuren. Diese sollten sich in einem Steuerungsgremium zusammenfinden; ggf. ist es auch sinnvoll, zusätzlich ein Koordinierungsteam zu bilden (siehe auch TIPP "Koordinierungsteam" in Phase 4).

Erfassen Sie die Ist-Situation in Ihrer Kommune!

Zunächst sollten Sie klären, was die Struktur, die Sie für die Umsetzung Ihres Vorhabens benötigen, leisten muss und wie sie aussehen könnte.

Um dies zu beantworten, hilft es, sich intensiver mit dem Themenschwerpunkt zu befassen, den Sie angehen wollen. Dies könnte beispielsweise sein:

  • Kindern und Jugendlichen mehr Bewegungsräume in einem Stadtteil zu bieten
  • Menschen mit Migrationshintergrund zu mehr Lebensqualität zu verhelfen
  • Eltern in der gesunden Balance von Beruf und Familie zu unterstützen - Dies ist gerade für Alleinerziehende hilfreich.
  • Menschen nach ihrer Berufsphase zur Seite zu stehen, um selbstständig gesund älter zu werden

Je konkreter Sie den Bedarf und die Zielgruppe(n) definieren, desto einfacher können Sie prüfen, welche Akteure Sie für die weitere Planung und Umsetzung hinzuziehen können und sollten.

  • Welche Strukturen sind bereits vorhanden, die genutzt werden können?
  • Welche Akteure sind in dem Bereich, den Sie gesundheitlich fördern möchten, bereits aktiv? Welche Projekte bieten sie an?
  • Welche fachlichen Kompetenzen können einbezogen werden? Im Bereich Kindergesundheit beispielsweise Kinderärzte, das Jugendamt oder Erzieher/-innen.
  • Welche Ressourcen (personelle, finanzielle, u. a.) stehen zur Verfügung und können genutzt werden?
  • Welche hilfreiche Unterstützung an Diensten und Serviceleistungen können weitere Partner einbringen? Professionelles Know-how, geldwerte Leistungen, ehrenamtliche Engagements, Sachmittel, Arbeitszeit, gemeinnützige Beiträge, investive Vorhaben u. a. m.
  • Welche Gesundheitsförderungsprogramme gibt es in der Region und den Nachbarkommunen? Können hier Synergien geschaffen werden?
  • Besteht eine Möglichkeit der Zusammenarbeit sowie Vernetzung, u. a. mit der Landesvereinigung für Gesundheit, den Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit oder mit überregionalen Bündnissen und Netzwerken?

Vernetzen Sie sich!

Sie wissen nun, wer sie bei Ihrem Vorhaben unterstützen könnte. Vielleicht gibt es in Ihrer Kommune auch bereits ein Netzwerk, das Ihnen dabei helfen kann, Gesundheitsförderung und Prävention in der Kommune zu etablieren. So können Sie Kompetenzen bündeln und Synergieeffekte nutzen. Eventuell kann es hilfreich sein, für bestimmte Gesundheitsziele Strukturen aufzubauen. In jedem Fall ist es empfehlenswert, sich ressortübergreifend zu vernetzen. Darüber hinaus hat es sich als hilfreich erwiesen, zunächst ein kleines Team zu gründen, bevor Sie ein größeres Netzwerk aufbauen. Es kann sich übergreifend mit Gesundheitsförderung beschäftigen oder sich auf ein bestimmtes Thema beschränken, beispielsweise die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen ohne Arbeit.

Suchen Sie sich also geeignete Mitstreiter/-innen. Dies können beispielsweise politische Entscheidungsträger, Fachleute aus Behörden, Vereinen oder Beratungsstellen oder Vertreter/-innen von Krankenkassen sein. Lassen Sie sich nicht abschrecken, wenn der oder die eine oder andere zunächst etwas zögerlich reagiert. Überzeugen Sie mit Argumenten und zeigen Sie den Mehrwert der Gesundheitsförderung für Ihre Kommune auf. Versuchen Sie auch, relevante Akteure aus mehreren Sektoren  zu verbinden. Dies schafft Synergieeffekte und sorgt für ein starkes Netzwerk.

Bei der Team- oder Netzwerkbildung ist es wichtig, dass Sie relevante Akteure identifizieren und für die Mitarbeit gewinnen. Folgende Leitfragen können Ihnen dabei helfen:

  • Wer kann mich beim Erreichen meines Vorhabens unterstützen?
  • Wer hat mit der Zielgruppe zu tun?
  • Welche Planungen gibt es für diese Zielgruppe in meiner Kommune?
  • Wie lässt sich Gesundheitsförderung damit verknüpfen?
  • Wer hat Entscheidungsbefugnis und Interesse an meinem Vorhaben?
  • Welche Akteure sollten auf jeden Fall Teil des Teams werden?
  • Wie kann ich vorhandene Bündnisse und Netzwerke für die Mitarbeit gewinnen?

Motivieren Sie Mitstreiter/-innen

Um in dieser Phase geeignete Mitstreiter/-innen für Ihr Vorhaben zu motivieren, sollten Sie zunächst auf Ihnen bekannte Personen zugehen. Diese lassen sich oftmals leichter überzeugen, Sie bei Ihrer Grundidee zu unterstützen, als bislang fremde Menschen. Hilfreich ist auch ein Kontakt zu Personen in anderen Ressorts der Kommune. Denn verschiedene Ressorts haben Planungsaufgaben, die mit den Lebenswelten von Menschen zu tun haben. Bringen Sie sich dort mit ein. Überlegen Sie, ob sich Ihre Ideen mit den zukünftigen Entwicklungen dieser Ressorts verknüpfen lassen. Im Ergebnis könnte eine integrierte kommunale Strategie entstehen, die Ihrem Anliegen guttut und die Wirksamkeit stärkt. Mehr Informationen zum Thema "Kontakte aufbauen und pflegen" erhalten Sie in Phase 4.

Sie möchten Älteren und Menschen mit Behinderungen mehr Möglichkeiten bieten, sich selbstständig im öffentlichen Raum bewegen zu können. Hierfür planen Sie, sichere Fortbewegung durch abgesenkte Gehwege und Fußgängerampeln zu ermöglichen. Der Seniorenbeirat und auch die Krankenkassen unterstützen Sie dabei. Die Leiter/-innen von Seniorenzentren können Sie zur Mitarbeit motivieren, weil sie mit solchen Maßnahmen die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Bewohner fördern können. Wer wird für einen umfassenden Erfolg im Quartier noch gebraucht? Beispielsweise die Verkehrsbetriebe. Abstände und Machart ihrer Haltestellen entscheiden maßgeblich über kurze und gefahrlose Wege. Auch die sozialen Wohnungsunternehmen werden sich aus Gründen der Wohnqualität bei Politik und Verkehrsbetrieb für ihre älter werdenden Mieter/-innen und deren Teilhabe am lokalen Geschehen verwenden wollen. Stadtteiltreffs und ihre Träger sind weitere Verbündete; sie wollen auch an Wochenenden erreichbar sein. Ebenso der Einzelhandel, dessen Geschäft mit Produkten des täglichen Bedarfs stark an der sicheren Mobilität seiner Kundschaft interessiert ist. Ebenfalls großes Interesse an Ihrem Engagement für Ältere und Menschen mit Behinderungen haben die kassenärztliche Vereinigung und das regionale Krankenhaus. Ärztlicher Notdienst und Notaufnahmen wissen es zu schätzen, wenn bei ihnen die Fälle von altersbedingten Stürzen und Unfällen nicht zu-, sondern abnehmen. Am Ende werden Sie auch den Grünflächenbereich an Ihrer Seite nicht missen wollen. Fehlende Parkbänke oder große Entfernungen zwischen ihnen halten mobil eingeschränkte Menschen davon ab, sich nach draußen zu begeben und im Park zu erholen.

TIPP

Gesundheitsförderung in der Kommune bedarf der Unterstützung durch die  Politik

Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie die kommunale Politik nicht sofort gewinnen und begeistern werden. Oder nur sehr partiell. Das liegt daran, dass nebenberuflich tätige Kommunalpolitiker/-innen von den laufenden Dingen stark beansprucht sind. Bleiben Sie und Ihre Mitstreiter/-innen mutig, gehen Sie miteinander voran und zeigen Sie der kommunalen Politik, wie Sie durch gemeinsames Handeln Erfolge erzielen. Was Sie machen können und sollten: Halten Sie interessierte Fachausschüsse und deren Mitglieder in geeigneter Weise auf dem Laufenden. Damit ernten Sie früher oder später die Zustimmung der relevanten Entscheidungsträger/-innen und der kommunalen Politik insgesamt.

 

Aufbau eines Steuerungsgremiums

Die Bildung eines Steuerungsgremiums trägt entscheidend dazu bei, dass der nachhaltige Strukturaufbau in der Kommune gelingt. Es hat die Aufgabe, übergeordnete Ziele zu definieren und den Gesamtprozess zu steuern sowie Lobby- und Netzwerkarbeit zu betreiben. Suchen Sie sich dafür Teilnehmer/-innen, die Interesse an Ihrem Vorhaben zeigen und motiviert sind. Versuchen Sie Verantwortliche zu gewinnen, die in ihren Institutionen Entscheidungsbefugnis haben, damit notwendige Rückfragen nicht zu viel Zeit benötigen. Ebenso können Vertreter/-innen von Krankenkassen Teil des Steuerungsgremiums sein. Sie bieten fachliche Beratung und zeigen Möglichkeiten der Unterstützung auf.

TIPP

Steuerungsgremium

Zusammensetzung und Größe des Steuerungsgremiums sollten sich daran orientieren, dass möglichst alle Sektoren vertreten sind. Damit es nicht zu groß wird, sollten im Plenum – dem jährlichen Treffen aller Partner – Vertreter/-innen der verschiedenen Sektoren ausgewählt werden, die im Verlauf des Vorhabens rotieren. So wird niemand überbeansprucht, alle sind gut vertreten und das Gremium bleibt schlank und handlungsfähig.

Vergessen Sie nicht, engeren Kontakt zum Marketing/Presse- und Öffentlichkeitsbereich zu halten. Von strategischer Bedeutung sind auch einzelne Aspekte und Akteure der Regionalentwicklung, Wirtschaftsförderung, Haushaltsplanung und der interessierten kommunalen Fachausschüsse.

TIPP

Denken Sie vom Ende her

Auch wenn Sie gerade erst in den Gesamtprozess einsteigen: Denken Sie bereits jetzt und auch zwischendurch vom Ende her. Was möchten Sie nach erfolgreichem Verlauf des Vorhabens erreicht haben? Was soll sich verändert haben? Bleibt Ihr Netzwerk bestehen, oder gehen alle Mitstreiter/-innen auseinander? Behalten Sie die Zielgruppe(n) weiterhin im Blick? Lässt sich die Struktur für andere Maßnahmen und weitere Bausteine der Gesundheitsförderung in der Lebenswelt Kommune nutzen? Oder entsteht die Idee einer lebensbegleitenden Gesundheitsförderung der Menschen in Ihrer Kommune – von der Geburt bis ins hohe Alter?