Phase 6: Evaluation


Auf einen Blick

  • Ausgangssituation: Sie haben die Durchführung beendet und nähern sich nun dem Ende Ihres gemeinschaftlichen Vorhabens.
  • Inhalt: In Phase 6 schauen Sie und Ihre Mitstreiter/-innen das Ergebnis der Arbeit in allen Facetten an und erörtern seine Bewertung.
  • Ziel: Am Ende von Phase 6 haben Sie die erreichten Ziele dokumentiert und Erfolge wie auch Schwachstellen identifiziert – und haben so die Voraussetzung für die Verstetigung geschaffen.

Auf der Zielgeraden

Sie sind nun kurz vor dem Ziel. Jetzt sollten Sie gemeinsam mit Ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern Bilanz ziehen und prüfen, ob Sie Ihre SMARTen Ziele erreicht haben. Konnten Sie darüber hinaus vielleicht weitere positive Nebeneffekte erzielen?

Auch die Stimmung unter den Mitstreiterinnen und Mitstreitern kann ein Indikator für Ihren Erfolg sein. Sind sie zufrieden mit dem Verlauf und dem gleichberechtigten Miteinander? Ihre Bereitschaft an Bord zu bleiben und die Kooperation fortzusetzen wäre ein tolles Ergebnis für die nachhaltige kommunale Gesundheitsförderung. Das Zusammengehen und Zusammenbleiben relevanter Akteure lässt Sie in dieser Phase auch die Politik leichter gewinnen. Stellen Sie sich dabei eine Frage: In welchen Ausschüssen, auf welchen Foren, über welches Tool möchten Sie Ihre Kommune an den Ergebnissen und Erfolgen teilhaben lassen? Und wer könnte der/die jeweils geeignete „Sprecher/-in“ Ihres Vorhabens sein? Falls Sie den Prozess bereits während der Durchführung immer wieder kontrolliert und geprüft haben, lassen Sie auch diese Ergebnisse in Ihre abschließende Beurteilung einfließen. Führen Sie idealerweise neben dieser Prozessevaluation nun eine Ergebnisevaluation durch (siehe Info).

Evaluieren Sie Ihr Projekt

Eine Evaluation dient der Bewertung und Beurteilung von Maßnahmen, schafft Transparenz und dokumentiert die Wirkungen Ihres Vorhabens. Dazu werden sowohl der Planungs- und Durchführungsprozess als auch die Wirksamkeit von Maßnahmen beleuchtet. In Phase 4 haben wir Ihnen den Tipp gegeben, die Evaluation(en) bereits in der Planungs- und Umsetzungsphase auf den Weg zu bringen. Auf diese Weise können Sie einschätzen, ob die Prozesse so ablaufen, wie sie sollten, ob nachjustiert werden muss und auch ob am Ende die Ergebnisse Ihren Erwartungen entsprechen.

Nun geht es darum, die Ergebnisse auszuwerten und Schlussfolgerungen zu ziehen: Was ist gut gelaufen, was weniger? Was können wir in Zukunft anders machen? Auch folgende Gesichtspunkte sollten Sie sich am Ende der Maßnahme(n) und bei der Aus- und Bewertung der Ergebnisse stellen: Welche Sektoren und Träger innerhalb und außerhalb der Verwaltung haben sich engagiert? Mit welchen Ressourcen? Wie schätzen diese den Erfolg ein? Kann die entwickelte Struktur eine Basis bilden, um weitere und andere gesundheitsförderliche Prozesse zu initiieren? Lassen sich mehr Mitstreiter/-innen vorstellen? Wie denken politisch Verantwortliche über das Ganze? Wo wären Änderungen oder Verbesserungen im Vorgehen angebracht? Die Evaluation ist ein wichtiges Instrument, um künftige Prozesse effektiver zu gestalten, Ressourcen effizienter einzusetzen, den Wirkungsgrad von Maßnahmen zu verbessern und die Nachhaltigkeit zu sichern.


Evaluation – was steckt dahinter?

Zunächst einmal gilt es zu entscheiden, ob Sie die Evaluation selbst durchführen oder lieber andere beauftragen möchten.

Bei den Evaluationsverfahren unterscheidet man zwischen Prozess- und Ergebnisevaluation, die für gesundheitsförderliche Vorhaben in der Kommune von großer Bedeutung sind. Die Ergebnisse helfen Ihnen, im politischen Bereich weiterhin Unterstützung zu finden und Mitstreiter/-innen zu gewinnen, die bislang noch abseits stehen, aber bei einer Fortführung durchaus gebraucht werden.

Selbst machen oder außer Haus geben?

Grundsätzlich ist zwischen Selbst- und Fremdevaluation zu unterschieden. Beides hat Vor- und Nachteile.

Die Evaluation selbst durchzuführen, geht vergleichsweise schnell. Denn man muss sich nicht mehr erst in das Thema einarbeiten. Die Selbstevaluation verursacht zudem kaum Kosten. Allerdings fehlt oft der erforderliche Abstand, um das eigene Vorhaben neutral begutachten zu können. Hinzu kommt, dass kritische Stimmen, etwa aus der Politik, möglicherweise die Objektivität der Selbstevaluation anzweifeln. Die Glaubwürdigkeit einer externen Evaluation ist größer, da niemand eigene Interessen vermutet.

Sollten Sie sich dafür entscheiden, die Evaluation extern durchführen zu lassen, schauen Sie sich bei der Suche nach einem geeigneten Dienstleister im Umfeld der Kommune um. Möglicherweise arbeitet Ihre Kommune beispielsweise bei der allgemeinen Qualitätssicherung ihrer Kitas bereits mit einem externen Anbieter für Evaluation zusammen. Wenn Sie ein Gesundheitsförderungsprojekt in einer Kita durchgeführt haben, fragen Sie nach, ob das betreffende Institut in der Lage ist, dieses zu evaluieren.

  • Wie komplex sind die Fragestellungen, die durch die Evaluation beantwortet werden sollen?
  • Gibt es im Team Erfahrungen mit der Durchführung von Evaluationen?
  • Liegen benötigte Daten bereits vor bzw. können sie einfach erhoben werden?
  • Wie viel Zeit können Mitglieder des Koordinierungsteams in die Evaluation investieren?
  • Welche finanziellen Ressourcen sind für die Evaluation vorgesehen?
TIPP

Entlastung durch fachliche Unterstützung

Lassen Sie sich von dem Stichwort Evaluation nicht abschrecken: Der zum Kreis bzw. zur Kommune gehörende Statistikbereich kann wertvolle Unterstützung leisten. Er ist in empirischer Methodik erfahren, weiß den Datenschutz zu beachten. Darüber hinaus kann er ressortübergreifend soziale, räumliche und gesundheitsförderliche Daten verknüpfen. Ein solcher Partner, den Sie am besten schon zu Beginn Ihres Vorhabens kontaktieren, stärkt Ihr Ziel der gesundheitlichen Chancengleichheit. Aus seiner Nähe und Zuordnung zur kommunalen Spitze berät der Statistikbereich Sie auch darin gut, welche Auskünfte und Befunde die kommunale Politik besonders interessieren wird.

Auch Hochschulen können Sie in die Evaluation einbinden. In Deutschland gibt es zahlreiche Studiengänge in den Bereichen Gesundheitswissenschaften, Gesundheitsmanagement oder Public Health. Häufig haben die entsprechenden Fachbereiche Interesse an Projekten aus der Praxis und unterstützen Sie gern (manchmal auch kostenfrei) bei der Durchführung und Evaluation. Nehmen Sie Kontakt auf: www.gesundheitsfoerdernde-hochschulen.de

Evaluationsverfahren

Neben der Unterscheidung der Evaluationsform zwischen Selbst- und Fremdevaluation lässt sich auch die Evaluationsart unterscheiden und zwar zwischen Ergebnis- und Prozessevaluation:

Die Ergebnisevaluation ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Fast jeder wird wohl das Bedürfnis haben, mit Blick auf eine Verstetigung der Struktur und/oder der Maßnahme Bilanz zu ziehen. Da Sie einen Prozess mit mehreren Mitstreiter/-innen steuern, wird das Ergebnis vielseitig ausfallen, unterschiedliche Hinweise liefern und durchaus differenziert bewertet werden. Sehen Sie darin einen Vorteil. Denn entscheidend wird sein, dass jeder Ihrer Mitstreiter/-innen für sich einen Nutzen erkennen kann. Dafür ist nicht zwingend ein großer Aufwand nötig. Ergebnisevaluationen können im Umfang sehr unterschiedlich sein und dennoch wichtige, weiterführende Aussagen treffen. Finden Sie den Mut zu Aussagen, die die Interessen aller Mitstreiter/-innen berücksichtigen. Das ist kein Dilemma, sondern entspricht der Interessenvielfalt Ihrer Mitstreiter/-innen und überzeugt letztlich Ressortverantwortliche und politische Vertreter/-innen sehr viel besser als eine einseitige Sichtweise. Je mehr sich Ihre Mitstreiter/-innen mit ihrer eigenen Bewertung am Ende wiederfinden, desto eher tendieren sie dazu, die Zusammenarbeit fortzusetzen und die Maßnahme gegebenenfalls zu verbessern. Möglicherweise ergibt sich dann aus dem Mehrwert der Kooperation und der strukturierten Vorgehensweise der Wunsch, weitere gesundheitsförderliche Impulse setzen zu wollen.

Die Ergebnisbewertung wird im Übrigen leicht fallen, wenn Sie zusätzlich prozessbegleitend auf den Verlauf achten und immer wieder Zwischenergebnisse einsammeln. Eine solche Prozessevaluation muss nicht sehr aufwändig sein. Schon die grafische Darstellung des Ergebnisverlaufs als Verlaufskurve macht allen Beteiligten und Interessierten das finale Resultat noch verständlicher und anschaulicher.

Es gibt eine Reihe von Fragen, die Sie sich während der Durchführung der geplanten Maßnahmen regelmäßig stellen sollten, um Ihr Vorhaben auf Erfolgskurs zu halten. Dokumentieren Sie Ihre Ergebnisse, halten Sie Akzeptanz und Resonanz bei Mitstreiterinnen und Mitstreitern und Zielgruppe(n) fest. Sie werden sie später beim Abschluss des Vorhabens noch einmal benötigen, auch um bei einer Verstetigung des Prozesses in der Gesundheitsförderung gute Argumente zu haben. Betrachten Sie beispielsweise die zeitliche, finanzielle und auch strukturelle Situation. Stellt sich ein Gleichgewicht in der Bereitstellung von Ressourcen und im Engagement ein? Können zusätzliche Mitstreiter/-innen gewonnen werden? Erreichen Ihre Maßnahmen die Zielgruppe(n)? Haben sich deren Bedürfnisse zwischenzeitlich geändert?

Die Prozessevaluation trägt damit zur Optimierung des Vorhabens bei und liefert wertvolle Informationen zur weiteren Ausgestaltung und Feinsteuerung. Im Übrigen gewinnen Sie auch Informationen darüber, ob womöglich positive Nebeneffekte erzielt werden, die sich nutzen lassen.

  • Haben wir genügend Mitstreiter/-innen?
  • Gibt es ausreichende Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch?
  • Wie lässt sich das Denken in mehreren Fachlogiken ämter-/themenübergreifend vertiefen?
  • Sind die Mitstreiter/-innen noch motiviert?
  • Gibt es ausreichend Impulse, die alle „über den Tellerrand“ hinaus führen?
  • Braucht es weitere Partner/-innen, die mit den Lebenswelten zu tun haben?
  • Ist die räumliche Ausstattung passend?
  • Gibt es eine tragfähige Verzahnung bei den finanziellen Mitteln?
  • Besteht eine gute Balance in der Lasten- und Aufgabenverteilung?
  • Welche Resonanz und Akzeptanz erfährt das Vorhaben in der Zielgruppe und bei den Partnerinnen und Partnern?
  • Wie lassen sich kritische Einwände nutzen?
  • Läuft alles weitgehend nach Plan? Auch auf der Zeitschiene?
  • Halten sich Netzwerkpartner/-innen an die Verabredungen?
  • Sehen sich die Mitstreiter/-innen als Teil des Gesamtprojektes?
  • Wie läuft die Kommunikation, haben alle Interessierten einen Zugriff auf nützliche Informationen?
  • Entsprechen die Maßnahmen (weiterhin) den Bedürfnissen der Zielgruppe/n?
  • Wie viele nutzen die Aktivitäten? Wie häufig?
  • Wen erreicht das Projekt nicht und warum?
  • Macht die Nutzung der Angebote Spaß?

Sollten Fragen ungeklärt sein, gehen Sie damit in Ihr Steuerungsgremium bzw. Koordinierungsteam und erörtern Sie gemeinsam sinnvolle und machbare Wege einer Nach- und Feinsteuerung. Modifikationen bei den Maßnahmen oder im Zeitplan sind völlig normal. Denn vieles zeigt sich erst in der Praxis.

Weiterführende Informationen zum Thema Evaluation finden Sie hier

https://www.in-form.de/fileadmin/Dokumente/Materialien/IN_FORM_Leitfaden_Evaluation.pdf

Sie sorgen gemeinsam mit anderen Akteuren im Stadtteil für mehr Bewegung. Es beteiligen sich das Grünflächenamt, die Stadterneuerung, eine Bürgerinitiative, der Gesundheitsbereich, das Stadtteilzentrum, Wohnungsunternehmen und freie Träger, die Volkshochschule, die kassenärztliche Vereinigung und das Krankenhaus, ebenso wie der Einzelhandel. Bei der Durchführung registrieren Sie und Ihre Mitstreiter/-innen durch erste Resonanzen und Gespräche ungewollte „Zielkonflikte“. Wo sich Kinder spielerische Freiräume schaffen und Jugendliche toben wollen, möchten Ältere walken und spazieren gehen. Was tun? Damit Ihr Vorhaben „Mehr Bewegung für alle“ auf der Erfolgsspur bleibt und nicht an Akzeptanz verliert, lohnt sich eine Nachsteuerung. Zum Beispiel, dass Bewegungsräume und Laufstrecken im Stadtteil für ihre Zielgruppen genauer markiert werden. Dafür braucht es den kommunalen Grünflächen- und Verkehrsbereich als Partner. Er läuft mit Ihnen und den Zielgruppen die bevorzugten „Bewegungsrouten“ ab und nimmt hilfreiche Nutzungshinweise vor. So können alle ihrer gelebten Bewegungsart nachgehen, ohne sich in die Quere zu kommen.

Den Abschlussbericht verfassen

Was fangen Sie nun mit Ihrer Bewertung an? Zu jedem Vorhaben gehört ein Abschlussbericht, angereichert mit Fotos und Stimmen aus dem gesamten Verlauf. Auch Videos von größeren Veranstaltungen oder Fachtagen und Aktionen kommen in Betracht! Stellen Sie kurz das Konzept  an den Anfang und beschreiben Sie die Durchführung. Stellen Sie die vielfältigen Ergebnisse aus der Evaluation zusammen. Vergessen Sie nicht, Ihre Mitstreiter/-innen zu nennen. Ziehen Sie – gemeinsam mit Ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern – ein Fazit. Gewähren Sie zum Schluss den Interessierten einen kleinen Ausblick. Wie geht es weiter? Hat sich die aufgefächerte und kooperative Struktur bewährt? Welchen Mehrwert hat die Kooperation und die Zusammenarbeit des Teams bewirkt?

Ein Abschlussbericht dieser Art ist wichtig, um Gesundheitsförderung als Teil der kommunalen Entwicklung zu verankern.

TIPP

Bedanken Sie sich

Lassen Sie alle, die mitgewirkt haben, am Erfolg teilhaben. Informieren Sie im weiten Umkreis, was Sie gemeinsam geschafft haben. Bedanken Sie sich bei allen und zeigen Sie Ihre Anerkennung. Gewinnen Sie z. B. für ein Anerkennungsschreiben eine „hohe“ Führungskraft. Ist der vorübergehende Abschluss des Vorhabens nicht Anlass für eine kleine Feier? Mit allen Beteiligten? Inmitten Ihrer Zielgruppe(n)? Das motiviert!

Gesunde Kommune – bleiben Sie dabei!

Jetzt, wo Sie alle Phasen des Gesundheitsförderungsprozesses durchlaufen haben, heißt es „dranbleiben“! Denn schließlich wollen sie ja weg von einer Projektitis hin zu nachhaltigen Strukturen und einer Verstetigung. Daher gilt es nun, den Modus der Kooperation und der Verknüpfung mit anderen Sektoren beizubehalten und weiter auszubauen.  Tauschen Sie sich mit anderen Kommunen aus, ernten Sie Anerkennung über Ihre Kommune/Ihren Kreis hinaus. Gewinnen Sie weitere Akteure, Mitstreiter/-innen und Sektoren, indem Sie mit Ihren Ergebnissen überzeugen. Betrachten Sie vor der Fortsetzung die erlebten Stolpersteine und arbeiten Sie daran, sie aus dem Weg zu räumen. Greifen Sie zwischendurch einmal auf Plattformen zu, die über „good practice“ informieren und Anregungen vermitteln. Orientieren Sie sich ruhig auch weiterhin an unserem Wegweiser.