Phase 3: Analyse


Auf einen Blick

  • Ausgangssituation: Sie haben ein Steuerungsgremium gebildet und wissen, welche Netzwerke Sie nutzen und mit wem Sie kooperieren möchten. Zusätzlich wissen Sie bereits, in welchem Themenbereich Sie sich mit welcher Zielsetzung engagieren wollen.
  • Inhalt: In Phase 3 nehmen Sie und Ihre Mitstreiter/-innen den Bedarf in Ihrer Kommune und die Bedürfnisse der anvisierten Zielgruppe(n) genauer unter die Lupe.
  • Ziel: Am Ende von Phase 3 treffen Sie und Ihre Mitstreiter/-innen aufgrund der Analyseergebnisse eine Entscheidung darüber, welche Themen und Bedarfe  der Gesundheitsförderung und Prävention Sie gemeinsam für besonders wichtig erachten.

Es wird konkret

An dieser Stelle ist es Zeit, Ihre Kommune einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Folgende Fragen helfen Ihnen, die Herausforderungen in Ihrer Gemeinde oder Region besser einschätzen zu können:

  • Welche gesundheitlichen, sozialen und umweltbezogenen Herausforderungen  sind in Ihrer Kommune konkret festzustellen?
  • Welche Faktoren können das Ziel einer „Gesundheit für alle“ behindern?
  • Gibt es bei bestimmten Zielgruppen und Beteiligten in der Lebenswelt einen besonderen Handlungsbedarf?
  • Wie sehen die Bedürfnisse der Zielgruppe(n) aus?
  • Was gibt es in Ihrer Kommune bereits für gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen und Angebote? Was fehlt noch?
TIPP

Beziehen Sie die Zielgruppe(n) ein – Erfragen Sie deren Bedürfnisse

Neben dem Bedarf, den Sie für eine Zielgruppe sehen, ist es auch wichtig, deren Bedürfnisse zu erfragen. Häufig erhalten Sie dadurch schon Ideen und Lösungsmöglichkeiten, die Ihr Netzwerk aus Akteuren nutzen kann. Ein Bedarf kann objektiv, beispielsweise durch Studiendaten, nachgewiesen werden. Dies sagt jedoch nichts darüber aus, ob er sich mit den Bedürfnissen der Zielgruppe deckt.

Beispiel: Epidemiologische Daten belegen, dass die Anzahl an übergewichtigen Kindern in der Schule steigt. Die Kommune leitet daraus den Bedarf ab, Bewegungsmöglichkeiten in Form eines sicheren Schulweges zu schaffen. Zusätzliche Zebrastreifen, Fußgängerampeln und die Einführung von Lotsen am Morgen werden eingeführt – jedoch nicht gut angenommen. Mögliche Ursache: Der objektive Bedarf deckt sich nicht mit den Bedürfnissen der Zielgruppen. Diese würden sich vielleicht eher bessere Radwege, Skateranlagen oder andere bewegungsfördernde Infrastrukturen wünschen.

Dieses Beispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, die Zielgruppe(n) mit in die Projektplanung und -durchführung einzubeziehen. Durch Partizipation erhöhen Sie die Chance, dass Ihre Maßnahmen und Ziele angemessen sind und eine nachhaltige Wirkung haben. Sie erhöht die Akzeptanz, steigert die Identifikation mit den gesundheitsförderlichen Angeboten und damit auch die Motivation für Veränderungsprozesse. Nicht zuletzt fördert eine gewollte und umsichtige Partizipation die Zustimmung in der Öffentlichkeit und bei der Politik.

Weisen Sie Ihren Bedarf nach!

In der Analysephase ist es wichtig, den Bedarf in Ihrer Kommune anhand von Analysedaten, fachlichen Untersuchungen, statistischen Erkenntnissen, Studiendaten oder Befragungen darzulegen. Dies bietet eine gute Argumentationsgrundlage, um weitere Mitstreiter/-innen zu gewinnen, das Vorhaben voranzutreiben und Entscheider/-innen in der Kommune zu überzeugen.

Mehrere Instrumente stehen für die Bedarfsanalyse zur Verfügung. Wählen Sie das für Sie am besten geeignetste aus bzw. kombinieren Sie:

  • Daten aus der Gesundheits- und Sozialberichterstattung
  • Daten des Bildungsmonitoring
  • Sozialraumanalysen vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik
  • Demographische Daten
  • Kenntnisse zur Arbeitsmarkt- und kreislichen Entwicklung
  • Fachliteratur und Studiendaten zur Lebenslage, z. B. KiGGS
  • Begehungen vor Ort, Informationen aus den Wohnquartieren
  • Erfahrungen anderer Kommunen
  • Erkenntnisse der Krankenkassen
  • Eigene Zielgruppen-Befragung
  • Medizinische Daten von Krankenhäusern (anonymisiert)
  • Auskünfte von Selbsthilfegruppen
  • Expertise von Netzwerken, Initiativen, bürgerschaftlichen Engagements oder Vereinen
  • Informationen aus den Fachausschüssen der Kommune

Bedarfsanalyse: Haben Sie an alles gedacht?

Was gibt es zu bedenken, wenn Sie und Ihre Mitstreiter/-innen den Handlungsbedarf erheben? Welche Prioritäten lassen sich daraus ableiten? Worauf ist zu achten, wenn Sie die Zielgruppen, die von gesundheitsförderlichen Maßnahmen profitieren sollen, definieren? Beantworten Sie die Fragen der folgenden Checkliste, und Sie stellen schnell fest, ob Sie an alles gedacht haben.

  • Gibt es eine Analyse, die die Bedarfe im Hinblick auf Gesundheit und Lebensqualität in der Kommune aufzeigt?
  • Sind Statistiker (des Kreises) mit an Bord, die über empirisch solide Daten und Erfahrung in der Interpretation verfügen?
  • Werden die Zielgruppen bei der Ermittlung des Bedarfes beteiligt (z. B. durch Stadtteilbegehungen und Bürgerforen)?
  • Gibt es auf der Grundlage der Analyse gesundheitsrelevante Ziele?
  • Werden diese Ziele mit relevanten Ressorts innerhalb und außerhalb der Verwaltung beraten (z. B. Stadtentwicklung, Jugendhilfe, Bildung, Soziales, Sport, Wohnen)?
  • Gibt es ein gemeinschaftlich erhofftes Ergebnis? Was soll sich bessern?

Die Entscheidung ist gefallen!

Am Ende der Analysephase sollte das Steuerungsgremium, idealerweise nach erfolgter Empfehlung durch Sie und Ihr Netzwerk von Akteuren, eine Entscheidung treffen, welches gesundheitsförderliche Thema nun ganz oben auf der Agenda steht. Beschreiben Sie es als Vorhabenskizze: Von „A“ – wie Ausgangssituation, Analyse und Anfang –  bis „Z“ wie Zahlen, Ziele und Zeitfenster.