Alkoholprävention in der Kommune

Der Konsum von Alkohol gehört in Deutschland zur gesellschaftlichen Norm. Die Akzeptanz und Präsenz beeinflussen das Trinkverhalten aller Altersgruppen. Alkohol wird vielfach als Bewältigungsstrategie bei Stress, Leistungsdruck oder Versagenserlebnissen angesehen. Dabei ist übermäßiger Alkoholkonsum in jedem Alter mit gesundheitlichen Risiken und negativen sozialen Folgen verbunden. Zudem entstehen in Deutschland durch hohen Alkoholkonsum volkswirtschaftliche Kosten von schätzungsweise 40 Milliarden Euro pro Jahr.

Die zentrale Zielgruppe für die Alkoholprävention sind Jugendliche, aber auch Kinder und junge Erwachsene. Ziel ist es, gesundheitsschädigende und risikoreiche Konsumgewohnheiten zu verhindern. In der Lebenswelt Kommune kann die Zielgruppe über Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, Bildungsstätten sowie Kultur- und Freizeitstätten erreicht werden.
Nachfolgend finden Sie konkrete Empfehlungen für Interventionen zur Alkoholprävention in der Lebenswelt Kommune. Der Fokus liegt, aus den genannten Gründen, zunächst auf der Zielgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Informationen zu weiteren Zielgruppen folgen.

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Hintergrund

Basis für die im Folgenden formulierten Informationen und Empfehlungen sind der Ergebnisbericht „Systematischer Review zur Prävention des Alkoholmissbrauchs bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, erstellt von der GP-Forschungsgruppe Berlin sowie die „Bestandsaufnahme schulbasierter Modelle zur Reduktion oder Verhinderung von riskantem Alkoholkonsum bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, erstellt vom Institut für Therapieforschung München (IFT).
Für beide Berichte wurden Präventionsprogramme für Kinder und Jugendliche recherchiert und dabei die Evidenz und die Wirksamkeit der Interventionen untersucht sowie die Ergebnisse der Recherche bewertet.
Aus den recherchierten Programmen lassen sich konkrete Interventionen zur Umsetzung in der Lebenswelt Kommune ableiten, diese sind sowohl verhältnis- als auch verhaltenspräventiv.

Alle Ergebnisse im Detail können Sie in folgenden Dokumenten nachlesen:
Systematischer Review zur Prävention des Alkoholmissbrauchs bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Bestandsaufnahme schulbasierter Modelle zur Reduktion oder Verhinderung von riskantem Alkoholkonsum bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Alkoholprävention in der Kommune gelingt gemeinsam

Die Lebenswelt Kommune bietet zahlreiche Möglichkeiten, in kooperativer Zusammenarbeit der Akteure wie beispielsweise dem Jugend- und Gesundheitsamt oder der Stadtverwaltung, verhaltens- und verhältnisbezogene alkoholpräventive Interventionen zur Gesundheitsförderung im Sinne des Präventionsgesetzes (PrävG) zu verankern.

Verhältnispräventive Maßnahmen in der Kommune

Maßnahmen, die wirksam dazu beitragen, übermäßigen Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu reduzieren sind u. a.

  • eine quantitative Verringerung der Verkaufsstellen für Alkohol
  • die Sicherung des Jugendschutzes durch Kontrollen der Verkaufsstellen und des Personals
  • Verkehrskontrollen
  • Einschränkungen von Werbemöglichkeiten für alkoholische Getränke sowie
  • Alkoholverbote, die in den Hausregeln öffentlicher Einrichtungen, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen u. ä. verankert werden.

Als nachhaltig gelten regionale Konzepte zur Alkoholprävention, wenn Maßnahmen zur Suchtprävention von lokalen Akteuren aktiv unterstützt werden. Dazu können sich Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, Jugendbehörden, die Polizei u. a. miteinander vernetzen.

Soziale Normen im Umgang mit Alkohol

Soziale und normative Faktoren üben einen starken Einfluss auf das Trinkverhalten von Jugendlichen aus. Um dies bewusst zu machen, sind Aufklärungskampagnen zum Thema Alkohol hilfreich. So können bei kommunalen Veranstaltungen Präsentationen, Plakate aber auch Spots gezeigt werden, die Eltern und anderen Erwachsenen ihre Vorbildfunktion bewusstmachen. Da Eltern, Freunde und Geschwister die häufigsten Bezugsquellen für Alkohol gerade für jüngere Jugendliche sind, erscheint es wirksam, den Zusammenhang von Alkoholverfügbarkeit und Rauschtrinken zu verdeutlichen, um Heranwachsende vor übermäßigem Alkoholkonsum zu schützen. In diesem Kontext ist es auch sinnvoll, die Folgen früher Rauscherfahrung – wie gesundheitliche Einschränkungen oder die Gefahr eines steigenden Alkoholkonsums – aufzuzeigen. Interventionen, die dies berücksichtigen, stärken Eltern darin ihren eigenen Konsum kritischer zu hinterfragen und ihren eigenen Alkoholkonsum zu regulieren. Dies wirkt sich positiv auf den Umgang mit Alkohol der Jugendlichen aus (Verhaltensprävention).

Erreichen von Risikogruppen in der Lebenswelt Kommune

Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien gehören zu einer besonderen Risikogruppe im Umgang mit Alkohol, aber auch anderen Substanzen. Sie bedürfen individueller Unterstützung, wenn die Übernahme der in der Familie bestehenden Trinkgewohnheiten verhindert werden soll.

Kommunen nehmen hier eine wichtige Rolle ein. Sowohl die betroffenen Kinder und Jugendlichen als auch deren Familien können in der Kommune in ihrem persönlichen Umfeld erreicht werden. In der Kommune besteht darüber hinaus die Möglichkeit die Kinder lebensphasenübergreifend zu begleiten. Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure (bspw. Lehrkräfte, Jugend- und Suchthilfe) können gefährdete Kinder und Jugendliche langfristig und nachhaltig unterstützt werden.

Über Alkoholpräventionsprogramme erwerben Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien zunehmend Wissen über die akuten und langfristigen körperlichen, psychischen und sozialen Folgen übermäßigen Alkoholkonsums. Zur Steigerung ihrer Resilienz und psychosozialen Kompetenz ist ein Lebenskompetenztraining empfehlenswert (Weitere Informationen zum Thema "Lebenskompetenztraining" erhalten Sie auf der Seite Alkoholprävention in der Schule). Dadurch kann ihr Selbstwertgefühl gesteigert werden und sie erlangen Kompetenzen zur Bewältigung von Herausforderungen in ihrem Leben, damit sie Alkohol nicht als Problemlöser betrachten und einsetzen.

Good practice: Alkoholprävention in der Lebenswelt Kommune

Ein praktiziertes bundesweites Alkoholpräventionsprogramm zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei übermäßigem Alkoholkonsum mit kommunaler Verankerung ist HaLT – Hart am LimiT. Die Maßnahme fußt auf zwei Säulen, die sich ergänzen und verstärken: eine reaktive Säule auf der individuellen Ebene – Frühinterventionen für Heranwachsende, die aufgrund einer Alkoholvergiftung (Alkoholintoxikation) in einem Krankenhaus behandelt werden – und einer proaktiven Säule auf der kommunalen Ebene, bei der es darum geht, dass u. a. strategische Präventionsnetzwerke aufgebaut werden. Hinsichtlich der reaktiven Säule auf der individuellen Ebene zeigt sich, dass bereits der durch eine Alkoholvergiftung bedingte Aufenthalt in einer Klinik eine massive präventive Wirkung haben kann.

Das Projekt HaLT wird von der Villa Schöpflin gGmbH weiterentwickelt und vom GKV-Bündnis für Gesundheit gefördert.

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