Qualitätskriterien für eine gesundheitsförderliche Kommune

Gesundheitsförderung und Prävention nach dem Lebensweltansatz hat immer die Kommune als Ganze im Blick. Das bedeutet, dass sowohl die gesundheitsbezogenen Rahmenbedingungen in der Kommune gesundheitsförderlich gestaltet als auch präventive und gesundheitsförderliche Angebote für die dort lebenden Menschen geschaffen werden.

Konzeptionelle Grundlagen, Beispiele und Praxishilfen kommunal orientierter Primärprävention und Gesundheitsförderung bieten das „Gesunde Städte-Netzwerk“, das Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ sowie der Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit.

Aus den Erfahrungen des Gesunde Städte-Netzwerks und dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ ergeben sich folgende übergreifende Qualitätskriterien für eine gesundheitsförderliche Entwicklung von Kommunen:

  • die Aufnahme des Ziels Gesundheit in den Zielkatalog der Kommune
  • eine systematische und mit der Sozialberichterstattung integrierte Gesundheitsberichterstattung
  • daraus abgeleitete, mit Zielen anderer kommunaler Ressorts (Stadtentwicklung, Jugendhilfe, Bildung) abgeglichene und unter Beteiligung der Bürger entwickelte Gesundheitsziele
  • Schaffung geeigneter Abstimmungs-, Koordinierungs- und Umsetzungsstrukturen (Gesundheitskonferenzen, Stadtteilzentren, Vernetzungs- und Beteiligungsbüros, Quartiermanagement)
  • die Etablierung von Gesundheitsverträglichkeit als Entscheidungskriterium für öffentliche Planungen

Für eine zielgerichtete Prävention und Gesundheitsförderung in der Kommune ist ressortübergreifende Zusammenarbeit notwendig. Neben den gesetzlichen Krankenkassen – als ein Partner von Kommunen – müssen auch weitere Akteure und Institutionen (z. B. Vereine, Wohlfahrtsverbände, Unfallversicherung) eingebunden werden. Für die Unterstützung durch die gesetzlichen Krankenkassen ist zudem eine angemessene Eigenleistung der Kommune in § 20a Abs. 2 SGB V vorausgesetzt.

Unterstützung durch die gesetzlichen Krankenkassen

Lebensweltbezogene Gesundheitsförderung und Prävention kann von den gesetzlichen Krankenkassen z. B. durch Moderationsleistungen oder durch qualitätsgesicherte Konzepte und Programme unterstützt werden. Die geförderten Maßnahmen orientieren sich grundsätzlich am Gesundheitsförderungprozess (siehe Wegweiser Kommune). Darüber hinaus müssen folgende Förderkriterien erfüllt sein:

  • Für die geplanten Aktivitäten wird ein Bedarf nachgewiesen. 

  • Die Zielgruppen werden unter besonderer Berücksichtigung sozial benachteiligter Personengruppen definiert.

  • Die Vielfalt/Diversität der Zielgruppen wird berücksichtigt. 

  • Vorhandene Strukturen, Einrichtungen, Netzwerke und Akteure, Finanzierungsträger (Drittmittel) im Setting werden ermittelt und möglichst genutzt bzw. eingebunden. Ressortübergreifende Strukturen werden gefördert (Partnerschaften). 

  • In den gesamten Gesundheitsförderungsprozess sind die Zielgruppen aktiv einbezogen (Partizipation).

  • Die Zieldefinition erfolgt möglichst operationalisiert; dabei sind der Verhältnis- und der Verhaltensbezug beachtet.

  • Ein Finanzierungskonzept liegt vor, welches die Aktivitäten in allen Phasen des Gesundheitsförderungsprozesses umfasst. Insbesondere die für das Setting zuständigen Träger bringen einen angemessenen Anteil an Mitteln – auch in Form geldwerter Leistungen – in die Aktivitäten ein. 

  • Die Partnerinnen/Partner informieren sich gegenseitig laufend über den jeweils  aktuellen Sachstand (Transparenz). 

  • Ausrichtung der Interventionen: Die geplanten Aktivitäten stärken über die Krankheitsvermeidung hinaus die gesundheitsfördernden und -schützenden Ressourcen Einzelner und verbessern die Rahmenbedingungen.

  • Ein Nachhaltigkeitskonzept (z. B. zur Verstetigung des Prozesses, zur Strukturbildung) liegt vor. 

  • Die im bzw. für das Setting Verantwortlichen verpflichten sich zur Teilnahme an Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Von einer Förderung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen sind insbesondere:

  • Aktivitäten, die zu den Pflichtaufgaben anderer Einrichtungen oder Verantwortlicher gehören (z. B. die Suchtberatung durch entsprechende Beratungsstellen oder Suchtprophylaxebeauftragte),
  • isolierte, d. h. nicht in ein Gesamtkonzept eingebundene Maßnahmen externer Anbieterinnen/Anbieter,
  • individuumsbezogene Abrechnung von Maßnahmen,
  • Förderanträge, die nicht von der Einrichtung/dem Einrichtungsträger selbst gestellt werden,
  • Forschungsprojekte/Screenings ohne Interventionsbezug
  • Aktivitäten von politischen Parteien sowie parteinahen Organisationen und Stiftungen,
  • Aktivitäten, die einseitig Werbezwecken für bestimmte Einrichtungen, Organisationen oder Produkte dienen
  • ausschließlich öffentlichkeitsorientierte Aktionen, Informationsstände (z. B. bei Stadtteil-, Schul- und Kita-Festen, in öffentlichen Bereichen) oder ausschließlich mediale Aufklärungskampagnen),
  • berufliche Ausbildung und Qualifizierungsmaßnahmen, die nicht an das Projekt gebunden sind,
  • Kosten für Baumaßnahmen, Einrichtungsgegenstände, Mobiliar und technische Hilfsmittel,
  • Regelfinanzierung von auf Dauer angelegten Stellen, z. B. in Beratungseinrichtungen,
  • Angebote, die weltanschaulich nicht neutral sind.