Phase 3: Analyse


Auf einen Blick

  • Ausgangssituation: Sie haben ein Koordinierungsteam gebildet bzw. eine Koordinatorin/einen Koordinator benannt. Sie haben entschieden, welche Netzwerke Sie nutzen und mit wem Sie kooperieren möchten. Zusätzlich haben Sie erste Ideen, in welchem Themenbereich Sie sich mit welcher Zielsetzung engagieren könnten.
  • Inhalt: In Phase 3 nehmen Sie und Ihre Mitstreiter/-innen den Bedarf in Ihrer Kita und die Bedürfnisse der anvisierten Zielgruppe(n) genauer unter die Lupe.
  • Ziel: Am Ende von Phase 3 treffen Sie und Ihre Mitstreiter/-innen aufgrund der Analyseergebnisse eine Entscheidung darüber, welche Themen der Gesundheitsförderung und Prävention Sie für besonders wichtig erachten.

Status quo sorgfältig analysieren

An dieser Stelle ist es Zeit, Ihre Kita einmal genauer unter die Lupe zu nehmen – entweder zu einem bestimmten Problem oder allgemein zum Thema Gesundheit und Prävention. Wie sieht es zum Beispiel mit der psychischen Gesundheit aus, dem sozialen Miteinander oder der Ernährungskompetenz der Kinder? Vielleicht ist es häufig sehr laut in Ihrer Einrichtung, weil die Mädchen und Jungen nicht zur Ruhe kommen, sich häufig streiten. Hier können auch die baulichen Gegebenheiten eine Rolle spielen, wenn beispielsweise die Schalldämmung nicht ausreicht. Folgende Fragen helfen Ihnen, die Probleme in Ihrer Kita besser einschätzen zu können:

  • Sind besondere gesundheitliche Beanspruchungen aufgrund der baulichen Gestaltung und räumlichen Ausstattung an unserer Kita festzustellen?
  • Gibt es Kinder, bei denen gesundheitliche Probleme oder Belastungen besonders häufig auftreten?
  • Sind die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen „unserer“ Kinder ähnlich oder anders als der Durchschnitt?
  • Wie hoch ist der Krankenstand bei den Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern im Vergleich zu anderen, vergleichbaren Kitas?
  • Welche gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen und Angebote gibt es bereits? Was fehlt noch?
  • Was bieten andere Kitas an? Welche Aktivitäten und/oder Programme zur Gesundheitsförderung werden dort umgesetzt?
  • Welche Anforderungen entstehen aufgrund besonderer Situationen im Sozialraum, in dem sich unsere Kita befindet?
  • Welche Ressourcen (z. B. personell, finanziell, räumlich) stehen zur Verfügung, um ein Gesundheitsförderungsprojekt anzugehen?

Weisen Sie Ihren Bedarf nach!

In der Analysephase ist es wichtig, den Bedarf in Ihrer Kita anhand von Analysedaten, fachlichen Untersuchungen, statistischen Erkenntnissen, Studiendaten oder Befragungen darzulegen. Dies bietet eine gute Argumentationsgrundlage, um weitere Mitstreiter/-innen zu gewinnen, das Vorhaben voranzutreiben und Entscheider/-innen, Geldgeber/-innen oder auch Sponsorinnen/Sponsoren zu überzeugen.

Verschiedene Instrumente und Quellen können für die Bedarfsanalyse zur Verfügung stehen. Schauen Sie, was in Ihrer Kommune, Ihrer Stadt oder Ihrem Kreis vorhanden. Unterstützung bei der Bedarfsanalyse bieten die Jugendhilfe- und Sozialplaner, der Öffentliche Gesundheitsdienst, die Gesundheitsberichterstattung des Bundes, die gesetzlichen Krankenkassen oder die Koordinierungsstellen gesundheitliche Chancengleichheit.

Wählen Sie das für Sie am besten geeignete aus bzw. kombinieren Sie:

  • Daten aus der lokalen Gesundheits- und Sozialberichterstattung
  • Daten des lokalen Bildungsmonitoring
  • Sozialraumanalysen der Kommune
  • Demographische Daten
  • Fachliteratur und Studiendaten zur Lebenslage besonderer Zielgruppen, z. B. KiGGS
  • Begehungen vor Ort
  • Erfahrungen anderer Kitas
  • Gesundheitsprogramme, an denen die Kita teilgenommen hat
  • Erkenntnisse der Krankenkassen
  • Eigene Zielgruppen-Befragung

Beziehen Sie die Zielgruppe(n) ein – erfragen Sie deren Bedürfnisse

Ein Bedarf kann objektiv, beispielsweise durch Studiendaten, nachgewiesen werden. Er muss sich aber nicht unbedingt mit den Bedürfnissen der Zielgruppe, also der Kinder und/oder Eltern decken. Neben dem Bedarf, den Sie für Ihre Zielgruppe sehen, ist es daher auch wichtig, deren Bedürfnisse zu erfragen. Häufig erhalten Sie dadurch schon Ideen und Lösungsmöglichkeiten. Lassen Sie also die Zielgruppe(n) an Ihren Maßnahmen partizipieren.

Ein Großteil der Kinder bringt für das morgendliche Frühstück Süßigkeiten mit in die Kita. Die Kita-Leitung leitet daraus den Bedarf ab, die Ernährungskompetenz sowohl der Kinder als auch der Eltern zu fördern. Geplant ist zunächst eine Projektwoche mit den Kindern zum Thema „Gesundes Frühstück“. Am Ende der Woche findet eine Informationsveranstaltung für Eltern statt. Sie werden über die Aktivitäten der vergangenen Woche informiert und erhalten Tipps und Empfehlungen für ein gesundes Frühstück.

Ergebnis: Die Beteiligung der Eltern an der Informationsveranstaltung war nur sehr gering. Nach der Projektwoche sind die Brotdosen bei vielen Kindern immer noch mit Süßigkeiten gefüllt.

Der objektive Bedarf deckt sich also offenbar nicht mit den handlungsleitenden Bedürfnissen der Eltern.

Dieses Beispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, die Zielgruppe(n) – hier vor allem die Eltern - mit in die Projektplanung und -durchführung einzubeziehen. Durch Partizipation erhöhen Sie die Chance, dass Ihre Maßnahmen und Ziele angemessen sind und eine nachhaltige Wirkung haben. Sie erhöht die Akzeptanz, steigert die Identifikation mit den gesundheitsförderlichen Angeboten und damit auch die Motivation für Veränderungsprozesse.

Mehrere Instrumente stehen für die Bedürfnisanalyse zur Verfügung. Wählen Sie je nach Zielgruppe(n) das für Sie am besten geeignete aus bzw. kombinieren Sie. Bedenken Sie dabei auch, wie viel Zeit Ihnen für die Analyse zur Verfügung steht. Ein Interview benötigt zweifelsfrei mehr Arbeitsaufwand als die Erfassung der Bedürfnisse über eine Themenwand. Hier einige Beispiele, sortiert nach zeitlichem Aufwand:

  • Meinungsbox
  • Themenwand
  • Blitz-Befragung (siehe Beispiel)
  • Kartenabfrage
  • Fragebogen
  • Gespräche/Interviews
  • Beobachtungen
  • Kinderkonferenz
  • Stärken-Schwächen-Analyse (SWAT)
  • Gruppendiskussion, evtl. unter Einbezug von externen Experten

Die Blitzbefragung bietet eine gute Möglichkeit, die Bedürfnisse der Eltern in kurzer Zeit zu erfragen. Der Zeitaufwand der Befragung sollte nicht mehr als zehn Minuten betragen. Sie lassen sich leicht in den täglichen Kita-Alltag integrieren.

Fassen Sie zunächst Ihr Anliegen als ganz konkrete Frage (Leitfrage) in leicht verständlicher Form zusammen. Weitere Fragen können dabei helfen, die Leitfrage klar und schnell zu beantworten. Die Blitzbefragung kann mündlich oder schriftlich durchgeführt werden. Erzieherinnen und Erzieher, die die Befragung durchführen, sollten vorab über den Ablauf informiert werden. Wichtig ist, sich im Team abzustimmen, wann, wie und wo die Befragung durchgeführt wird. Hilfreich ist ein Probedurchlauf.

Halten Sie die Ergebnisse der Befragung in Ihrem Logbuch fest und denken Sie auch hier an die Partizipation, indem Sie die Eltern zeitnah über die Ergebnisse der Befragung informieren.

Die Entscheidung ist gefallen!

Am Ende der Analysephase, wenn Bedarf und Bedürfnisse geklärt sind, sollte das Koordinierungsteam bzw. die Koordinatorin/der Koordinator gemeinsam mit der Kita-Leitung und dem Kita-Team eine Entscheidung treffen, welches gesundheitsförderliche Thema nun ganz oben auf der Agenda steht. Halten Sie das Ergebnis schriftlich in Ihrem Logbuch fest.

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Dokumentieren Sie Ihre Analyseergebnisse!

Sie haben bereits in Phase 2 ein Logbuch angelegt – als Ringordner oder digital. Sollten Sie erst in Phase 3 in den Gesundheitsförderungsprozess eingestiegen sein, ist es nun an der Zeit, dies zu tun. Solch eine regelmäßige Bestandsaufnahme gibt Ihnen einen guten Überblick, ob Sie an alles gedacht haben. Außerdem haben alle Akteure jederzeit die Möglichkeit, sich über den aktuellen Stand des Prozesses zu informieren.

In Ihrem Logbuch sollten sie Ihre Überlegungen sorgfältig dokumentieren. Wie haben wir den Bedarf analysiert? Wie sieht der Bedarf der Kita aus und welche Bedürfnisse haben die Zielgruppe(n)? Für welche Maßnahme(n) haben Sie sich entschieden? Woran messen wir unseren Erfolg?