Phase 2: Nutzung/Aufbau von Strukturen


Auf einen Blick

  • Ausgangssituation: Ihre Hochschulleitung hat sich entschieden, in den Gesundheitsförderungsprozess einzusteigen.
  • Inhalt: Sie verschaffen sich nun einen genauen Überblick über die bestehenden Strukturen, die für die Bildung eines Steuerungsgremiums relevant sind. Prüfen Sie die Möglichkeiten der internen und externen Vernetzung und für eine Zusammenarbeit.
  • Ziel: Sie schaffen eine Basis für die Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Hochschule sowie gesundheitsfördernder Maßnahmen, wenn Sie wissen, wie und mit wem Sie ein Steuerungsgremium gründen. Möglicherweise können bestehende Gremien an Ihrer Hochschule den Gesundheitsförderungsprozess aktiv begleiten. Darüber hinaus haben Sie weitere Netzwerkpartner/-innen und Akteurinnen und Akteure ermittelt, die Sie bei dem Vorhaben unterstützen können.

Sichten Sie vorhandene Strukturen in Ihrer Hochschule

Um Ihre Hochschule gesundheitsfördernd zu gestalten, benötigen Sie ein Netzwerk mit engagierten Akteurinnen und Akteuren. Denn nachhaltige Gesundheitsförderung und Prävention werden von einer guten Struktur getragen. Untersuchen Sie, wer Sie bei der Gestaltung und Umsetzung unterstützen kann bzw. mit wem Sie sie gemeinsam erarbeiten und umsetzen können (sog. Stakeholderanalyse). Welche Strukturen der Gesundheitsförderung gibt es vielleicht schon und wie lassen sie sich nutzen? Unsere Checkliste hilft Ihnen, grundsätzliche Fragen für den Gesundheitsförderungsprozess zu klären:

  • Welche Strukturen gibt es im Kontext von Gesundheitsförderung und Prävention bereits an Ihrer Hochschule? Gibt es beispielsweise einen „Steuerkreis Gesunde Hochschule“?
  • Gibt es bereits Strukturen, die bisher nicht im Kontext von Gesundheitsförderung und Prävention genutzt wurden, die aber bei der Etablierung der Gesundheitsförderung unterstützen können, wie z. B. hochschulinterne Netzwerke, Gremien oder Arbeitsgruppen?
  • Welche gesundheits- oder bewegungsfördernden Einrichtungen sind vorhanden, z. B. Studierendenberatung, Mensa, Hochschulsport?
  • Welche Maßnahmen der Gesundheitsförderung gibt es bereits, die erweitert oder integriert werden könnten (z. B. psychologische Beratungsangebote, Verbesserungsmanagement oder Mobilitätsangebote wie Fahrradverleih)?
  • In wie weit ist das Thema „Gesundheit“ in Ihrer Hochschule bereits verankert?
  • Mit welchen gesundheitsrelevanten Einrichtungen in Ihrer Region könnten Sie bei Bedarf kooperieren (z. B. Gesundheitsamt, Volkshochschule, Sportvereine)?
  • Welche personellen und finanziellen Ressourcen stehen zur Verfügung und können genutzt werden? Welche Ergänzungsmöglichkeiten im Netzwerk gibt es (Haushaltsmittel, Drittmittelfinanzierung, Krankenkassen u. a.)?
  • Gibt es Personen oder Bereiche, die sich bereits den Themen Gesundheitsförderung und Prävention widmen? Welche Expertisen können genutzt werden?
  • Gibt es bereits gesammeltes Wissen, Dokumente oder Checklisten zu Gesundheitsthemen?
  • Wenn Sie ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) integriert haben: Welche Synergien ergeben sich?
  • Welche Gesundheitsförderungsprogramme gibt es in Ihrer Region? Können hier Synergien genutzt werden?
  • Wie können die Studierenden eingebunden werden (Partizipation)?
  • Welche Form der Partizipation ist für die Studierenden geplant?

Auf welche Art und Weise Studierende am Aufbau einer Gesundheitsfördernden Hochschule für Studierende teilhaben können, hängt von den bereits vorhandenen Strukturen zur Gesundheitsförderung der Hochschule ab. Um eine tatsächliche Partizipation zu gewährleisten, sind Mitbestimmung, teilweise Entscheidungskompetenz sowie Entscheidungsmacht relevant. Dies wäre beispielhaft durch folgende partizipative Struktur möglich:

  • Lenkungskreis zur Überprüfung der strategischen Ausrichtung u. a. mit Hochschulleitung und einer studentischen Ressortleitung
  • Steuerkreis zum Austausch auf der Arbeitsebene sowie zur Projektsteuerung u. a. mit Projektkoordinator/-in sowie einer studentischen Ressortleitung
  • Gremium Studierendengesundheit, in dem Studierende vertreten sind, die Maßnahmen und Prozesse entwickeln, bewerten und mitgestalten

Vernetzen Sie sich in Ihrer Hochschule und über diese hinaus

Sie haben nun einen Überblick über die Strukturen, die Sie für die Gesundheitsförderung berücksichtigen oder nutzen können bzw. aufbauen müssen. Im nächsten Schritt ermitteln Sie nun ganz konkrete Netzwerkpartner/-innen, mit denen Sie zusammenarbeiten wollen bzw., die Sie unterstützen sollen. Denken Sie dabei auch an bestehende Kooperationen. Eine Auswahl interner und externer Netzwerkpartner/-innen für Hochschulen haben wir in der folgenden Liste zusammengestellt:

Hochschulleitung
Zentralverwaltung
Fakultätsräte
Studienbeirat
Studiengangskoordinatorinnen/-koordinatoren
Hochschulkommission
Hochschulkommunikation
Zentrum für Schlüsselqualifikationen
Studienberatung
Fakultät mit Gesundheitsfokus (Gesundheitswissenschaften, Psychologie, Sportwissenschaft, Gesundheitspädagogik)
Gleichstellungsbeauftragte/Diversity Manager/-in
Beauftragte für Studierende mit chronischen Erkrankungen
Beauftragte für sexuelle Belästigung
Beratungsstellen für Gesundheit, Sucht, Familie u. ä.
Koordinator/-in für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM)
Arbeits- und Gesundheitsschutz
Personalräte

Studierendenausschuss (AStA)
Studierendenparlament
Studierendenrat
Fachschaftsräte
Fachschaftsvertreter/-innen
Hochschulsport

Studierendenwerk
Überregionale Interessenvertretungen der Studierenden
Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit
Regionale Institutionen und Organisationen mit Gesundheitsfokus
Krankenkassen
Berufsgenossenschaften
Deutsche Rentenversicherung
Landesunfallkassen
Landesvereinigung für Gesundheit
Landesministerien für Gesundheit und Wissenschaft 

TIPP

Schwarmintelligenz

Nutzen Sie für Ihr Vorhaben die Erfahrungen anderer Hochschulen. Es gibt bereits gesundheitsfördernde Hochschulen, die Ihnen als Good-practice dienen können. Lernen Sie von anderen und leiten Sie daraus Aspekte für die Umsetzung an Ihrer Hochschule ab.
Beispiele sind:

Bayreuth (Uni) https://www.bgm.uni-bayreuth.de/de/gesund-am-campus/Projekte/index.html
Berlin (FU) https://www.ewi-psy.fu-berlin.de/einrichtungen/arbeitsbereiche/ppg/forschung/sgm_fu/index.html
Bielefeld (Uni) https://www.uni-bielefeld.de/verwaltung/dezernat-p-o/gesundheitsmanagement/
Bonn (Uni): https://www.uni-bonn.de/studium/im-studium/studentisches-leben/healthy-campus
Braunschweig (TU): https://www.tu-braunschweig.de/sportzentrum/sgf
Coburg (HS): https://www.hs-coburg.de/ueber-uns/organisation/servicestellen/referat-gesunde-hochschule.html
Emden-Leer (HS): https://www.hs-emden-leer.de/einrichtungen/hochschulsport-health-sports/healthy-campus-health/studentische-gesundheit/
Esslingen (HS): https://www.hs-esslingen.de/soziale-arbeit-gesundheit-und-pflege/fakultaet/profil/gesundheitsfoerderung/
Fulda (HS): https://www.hs-fulda.de/unsere-hochschule/profil/gesundheit/
Göttingen (Uni): http://www.healthycampus-goettingen.de/
Heidelberg (Uni): https://www.issw.uni-heidelberg.de/arbeitsbereiche/pur/projekt_sgm.html
Heidelberg (PH): https://www.ph-heidelberg.de/kopf-stehen.html
Ilmenau (TU): https://www.tu-ilmenau.de/austauschforum/
Kaiserslautern (TU): http://www.campusplus.uni-kl.de/
Karlsruhe (KIT): https://www.myhealth.kit.edu/
Leipzig (HTWK): https://www.htwk-leipzig.de/leben/und-du-so/
Lübeck (Uni): https://www.lust.uni-luebeck.de/forschungsprojekte/luebeck-university-students-trial-lust.html
Mainz (Uni): https://healthycampus.uni-mainz.de/
München (TU): https://www.sg.tum.de/news/news-singleview-fakultaet/article/praeventive-paediatrie-startet-projekt-mit-techniker-krankenkasse/
Münster (FH): https://www.fh-muenster.de/hochschule/personal-entwickeln/gesunde-hochschule/gesund-studieren-teaserseite.php?p=8,0,0
Paderborn (Uni): https://www.uni-paderborn.de/universit%C3%A4t/benefit/
Stuttgart (DHBW): https://studium.dhbw-stuttgart.de/gesundheitsfoerderung-fuer-studierende/angebote-fuer-studierende/
Wildau (TH): https://www.th-wildau.de/hochschule/hochschulverwaltung/gesundheitsmanagement/hochschule-in-hochform/
Wuppertal (Uni): https://www.gesunde.uni-wuppertal.de/

Aufbau des Steuerungsgremiums

Die Bildung eines Steuerungsgremiums trägt entscheidend dazu bei, dass der nachhaltige Strukturaufbau in Ihrer Hochschule gelingt. Im Steuerungskreis für die Gestaltung einer gesundheitsfördernden Hochschule sollten Personen zusammenkommen, die in ganz verschiedenen Bereichen tätig sind – je heterogener, umso besser. Denn so fließen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen in den Prozess ein, zudem kann sichergestellt werden, dass entscheidungsbefugte Personen in den Prozess mit einbezogen sind. Gewinnen Sie also bspw. Vertreter/-innen der Hochschulleitung, aus dem Fakultätsrat, der Hochschulkommission, dem Studierendenausschuss, dem Hochschulsport und dem Personalrat für die Mitarbeit im Steuerungsgremium. Beachten Sie zudem von Anfang an, dass die Studierenden für die Entwicklung und Etablierung eines studentischen Gesundheitsmanagements die relevante zu beteiligende Zielgruppe sind. Die internen und externen Akteurinnen und Akteure prägen den Stellenwert und die Verankerung der Gesundheitsförderung an Ihrer Hochschule. Sie sind Ihre Botschafter/-innen!
Unser Wegweiser kann das Steuerungsgremium im Gesundheitsförderungsprozess unterstützen.

Aufgaben des Steuerungsgremiums

Das Steuerungsgremium ist das zentrale Entscheidungsgremium zur Gesundheitsförderung in Ihrer Hochschule und begleitet den gesamten Prozess. Zu Beginn werden in diesem Kreis Bedarfe und Ziele an Ihrer Hochschule analysiert. Es werden konkrete und messbare Ziele für die Gesundheitsförderung vereinbart. Das Gremium entwickelt und koordiniert dann die einzelnen Schritte der Planung und Umsetzung. Sie als hauptamtliche/r Koordinatorin/Koordinator behalten den Gesamtplan, den Prozess, alle Termine, die Partizipation der Studierenden sowie die Kontinuität im Blick. Zum Ende verschiedener Projekte werden die Ergebnisse evaluiert. Auf dieser Basis entscheidet das Steuerungsgremium, ob und wie der Prozess fortgeführt wird.

Es ist empfehlenswert, im Steuerungsgremium gleich zu Beginn die Rollen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben im Gesundheitsförderungsprozess zu vereinbaren. Im Projektverlauf werden dann für alle Teilaufgaben verbindliche Termine abgestimmt und Zuständige benannt. Die Zwischenergebnisse werden regelmäßig präsentiert und Meilensteine entsprechend gewürdigt. Etwa auftretende Schwierigkeiten oder Verzögerungen im Projektverlauf werden im Steuerungsgremium besprochen. Es wird gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten gesucht.

TIPP

Entscheidungsbefugte ins Steuerungsgremium

Es ist empfehlenswert, die Hochschulleitung sowie relevante Entscheidungsbefugte und Wissensträger als feste Mitglieder in das Steuerungsgremium aufzunehmen. Selbst wenn die Personen nicht bei jeder Sitzung anwesend sein können, sind sie dennoch fortlaufend in den Prozess und die Kommunikation eingebunden und können Entscheidungen treffen.

Transparenz, Erwartungen und Partizipation

Das Steuerungsgremium sorgt für Klarheit und Transparenz im Prozess. Dazu sollten die Handlungsspielräume der Akteurinnen und Akteure abgesteckt sowie Erwartungen formuliert werden. Auch über die Art und Weise der Zusammenarbeit sollten Vereinbarungen getroffen werden (z. B. lösungsorientiert und kooperativ). Die Beteiligung der Studierenden als Zielgruppe sollte im Sinne der Partizipation von Anfang an gewährleistet sein. Sie sollten in alle Prozesse und Entscheidungen einbezogen werden, denn sie stellen den direkten Kontakt zur Endzielgruppe dar. Sie wissen, welche Fragestellungen und Probleme vorrangig angegangen werden sollten.

Vereinbaren Sie regelmäßige Treffen für das Steuerungsgremium und stellen Sie vorab Tagesordnungspunkte zusammen. Auf jeden Fall sollten der aktuelle Stand der Aufgaben, der Verantwortlichkeiten und ggf. resultierende nächste Schritte besprochen, priorisiert und protokolliert werden. Das Protokoll sollte über einen Verteiler allen Mitgliedern des Steuerungsgremiums zugesandt werden. So wird sichergestellt, dass auch Abwesende stets aktuell informiert sind. Wichtige Teilergebnisse sollten Sie darüber hinaus mindestens innerhalb Ihrer Hochschule kommunizieren. Stellen Sie hierbei auch immer sicher, dass Ihre Hochschulleitung diese mitbekommt. So bleibt das Thema Gesundheitsförderung präsent und gewinnt vielleicht neue Unterstützer/-innen. Außerdem vermitteln Sie mit einem Bericht den Akteurinnen und Akteuren Ihre Wertschätzung.

TIPP

Heute schon an morgen denken!

Auch wenn Sie gerade erst einsteigen in den Gesamtprozess: Denken Sie bereits jetzt und auch zwischendurch vom Ende her. Was möchten Sie nach erfolgreichem Verlauf des Vorhabens erreicht haben? Was soll sich verändert haben? Lässt sich die Struktur zukünftig für andere Maßnahmen und weitere Bausteine der Gesundheitsförderung in Ihrer Hochschule nutzen? Wie können der Gesamtprozess und einzelne Teile evaluiert werden?