Qualitätskriterien für eine gesundheitsfördernde Hochschule

Sie möchten Ihre Hochschule gesundheitsfördernd gestalten? Gesetzliche Krankenkassen unterstützen und begleiten Sie gerne dabei, Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und Prävention in der Lebenswelt Hochschule nachhaltig zu verankern. Welche Voraussetzungen hierfür zu erfüllen sind, erfahren Sie hier.

Gesundheit als Leitbild in Ihrer Hochschule

Gesundheitsförderung und Prävention nach dem Lebensweltansatz hat immer die gesamte Hochschule im Blick. Alle Maßnahmen sollen möglichst unter direkter und kontinuierlicher Beteiligung der Hochschulleitung, Professorenschaft, Lehrbeauftragten, Studierenden und weiterer Beschäftigter der Hochschule miteinander verknüpft werden. Zur Gestaltung einer gesundheitsfördernden Hochschule gehören gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen (Verhältnisprävention) und Maßnahmen zur Entwicklung von gesunden Verhaltensweisen (Verhaltensprävention).

  • Das gesundheitsbezogene Verantwortungsbewusstsein der Studierenden und der Gemeinschaft wird gefördert.
  • Einzelne werden in ihrer persönlichen Handlungsfähigkeit gestärkt und befähigt, sich für eine gesundheitsförderliche Gestaltung in der Hochschule einzusetzen (Autonomie und Empowerment).
  • Bei der Ermittlung von Gesundheitspotenzialen und –risiken werden alle Personen in Hochschulen möglichst direkt und kontinuierlich beteiligt (Partizipation).
  • Ein Prozess geplanter organisatorischer Veränderungen wird angeregt und unterstützt.
  • Auf die Rahmenbedingungen (Verhältnisse) in Hochschulen bezogene Interventionen werden eng mit auf das gesundheitsbezogene Verhalten Einzelner gerichteter Interventionen verknüpft.
  • Der Gesundheitsförderungsprozess wird als Lernzyklus konzipiert, um möglichst langfristige positive Wirkungen zu erzielen (Wegweiser Hochschule).
  • Das Thema Gesundheitsförderung wird in dem System Hochschule nachhaltig verankert (z. B. Gesundheitsförderung als Bildungsressource zur Unterstützung von Studierenden bei der Entwicklung von Gesundheitskompetenzen).
  • Netzwerke werden initiiert, die ausgehend von Hochschulen nachhaltig gesundheitsfördernde Strukturen in der Region unterstützen. Die Verfügbarkeit von Ressourcen weiterer gesellschaftlicher Organisationen, Institutionen zur Unterstützung der praktischen Gesundheitsförderung wird ausgelotet.
  • Das Hochschulpersonal kann in Fragen der Gesundheitsförderung ggf. mit Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützt werden.

Sie möchten wissen, wie Sie Gesundheit zum Leitbild in Ihrer Hochschule machen können? Im Wegweiser Hochschule finden Sie hilfreiche Informationen dazu.

Unterstützung durch die gesetzlichen Krankenkassen

Wenn Sie Ihre Hochschule nachhaltig im Sinne dieser Kriterien gestalten möchten, leisten Sie einen wichtigen Beitrag für eine gesunde Entwicklung junger Menschen. Die gesetzlichen Krankenkassen können Sie bei der Planung, Umsetzung und Nachbereitung entsprechender Maßnahmen unterstützen und den Transfer in Ihre Hochschule begleiten. Sie können dabei auch auf bereits bestehende, qualitätsgesicherte Projekte und Maßnahmen bzw. Module zurückgreifen, die dem Lebensweltansatz entsprechen. Die Unterstützung der gesetzlichen Krankenkassen erfolgt zeitlich befristet im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe, z. B. durch Fortbildung und Beratung der Verantwortlichen. Eine Unterstützung ist unabhängig davon, wo die Studierenden krankenversichert sind.

Entscheidend für eine mögliche Unterstützung ist es, dass sich Ihr Vorhaben am Gesundheitsförderungsprozess orientiert (siehe Wegweiser Hochschule) und alle nachfolgend genannten Kriterien des GKV-Leitfadens Prävention erfüllt sind.

Folgende übergreifende Förderkriterien müssen erfüllt sein:

  • Für die geplanten Aktivitäten wird ein Bedarf nachgewiesen.
  • Die Zielgruppen werden unter besonderer Berücksichtigung sozial benachteiligter Personengruppen definiert.
  • Die Vielfalt/Diversität der Zielgruppen wird berücksichtigt.
  • Vorhandene Strukturen, Einrichtungen, Netzwerke und Akteure, Finanzierungsträger (Drittmittel) im Setting werden ermittelt und möglichst genutzt bzw. eingebunden. Ressortübergreifende Strukturen werden gefördert (Partnerschaften).
  • In den gesamten Gesundheitsförderungsprozess sind die Zielgruppen aktiv einbezogen (Partizipation).
  • Die Zieldefinition erfolgt möglichst operationalisiert; dabei sind der Verhältnis- und der Verhaltensbezug beachtet.
  • Ein Finanzierungskonzept liegt vor, welches die Aktivitäten in allen Phasen des Gesundheitsförderungsprozesses umfasst. Insbesondere die für das Setting zuständigen Träger bringen einen angemessenen Anteil an Mitteln – auch in Form geldwerter Leistungen – in die Aktivitäten ein.
  • Die Partnerinnen/Partner informieren sich gegenseitig laufend über den jeweils aktuellen Sachstand (Transparenz).
  • Ausrichtung der Interventionen: Die geplanten Aktivitäten stärken über die Krankheitsvermeidung hinaus die gesundheitsfördernden und -schützenden Ressourcen Einzelner und verbessern die Rahmenbedingungen (Verhaltens- und Verhältnisprävention).
  • Ein Nachhaltigkeitskonzept (z. B. zur Verstetigung des Prozesses, zur Strukturbildung) liegt vor.
  • Die im bzw. für das Setting Verantwortlichen verpflichten sich zur Teilnahme an Qualitätssicherungsmaßnahmen.

Von einer Förderung durch die gesetzlichen Krankenkassen ausgeschlossen sind insbesondere:

  • Aktivitäten, die zu den Pflichtaufgaben anderer Einrichtungen oder Verantwortlicher gehören (z. B. die Suchtberatung durch entsprechende Beratungsstellen oder Suchtprophylaxebeauftragte),
  • isolierte, d. h. nicht in ein Gesamtkonzept eingebundene Maßnahmen externer Anbieterinnen/Anbieter,
  • individuumsbezogene Abrechnung von Maßnahmen,
  • Förderanträge, die nicht von der Hochschule/dem Träger der Hochschule selbst gestellt werden,
  • Forschungsprojekte/Screenings ohne Interventionsbezug,
  • Aktivitäten von politischen Parteien sowie parteinahen Organisationen und Stiftungen,
  • Aktivitäten, die einseitig Werbezwecken für bestimmte Einrichtungen, Organisationen oder Produkte dienen,
  • ausschließlich öffentlichkeitsorientierte Aktionen, Informationsstände (z. B. bei Stadtteil-, Hochschulfesten, in öffentlichen Bereichen) oder ausschließlich mediale Aufklärungskampagnen),
  • berufliche Ausbildung und Qualifizierungsmaßnahmen, die nicht an das Projekt gebunden sind,
  • Kosten für Baumaßnahmen, Einrichtungsgegenstände, Mobiliar und technische Hilfsmittel,
  • Regelfinanzierung von auf Dauer angelegten Stellen, z. B. in Beratungseinrichtungen,
  • Angebote, die weltanschaulich nicht neutral sind.