Bewegung und Gesundheit im Alltag stärken (BeuGe) – Projekt zum Aufbau kommunaler Strukturen zur Gesundheitsförderung für Menschen mit Behinderung

Das Projekt „Bewegung und Gesundheit im Alltag stärken (BeuGe)“ ist ein Interventionsprogramm für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung mit dem Ziel, Präventions- und Bewegungsangebote in verschiedenen Wohnformen und in Freizeitaktivitäten zu integrieren. Die Zielgruppe soll dabei aktiv mit eingebunden werden und als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewonnen werden.

In enger Abstimmung mit dem GKV-Bündnis für Gesundheit setzt Special Olympics Deutschland (SOD) das Projekt gemeinsam in fünf ausgewählten Special Olympics Landesverbänden an insgesamt 25 Standorten als Pilotprojekt von Juli 2019 bis Dezember 2021 um. Die teilnehmenden SO Landesverbände sind:

  • SO Berlin/Brandenburg
  • SO Bremen
  • SO Sachsen-Anhalt
  • SO Thüringen
  • SO Schleswig-Holstein

    Niedrigschwellige und nicht leistungsorientierte Bewegungsangebote für Menschen mit Behinderung ermöglichen ihnen gesellschaftliche Teilhabe und sind Teil der Umsetzung des Präventionsgesetzes. Der besondere Bedarf an Präventionsangeboten wird unter anderem aus dem Teilhabebericht der Bundesregierung (2013) abgeleitet. Insgesamt ist bei Menschen mit geistiger und/oder Mehrfachbehinderung im Vergleich zur durchschnittlichen Bevölkerung ein schlechterer Gesundheitszustand erkennbar. Bei ihnen werden zudem häufiger Risikoverhaltensweisen beobachtet, wie ungesunde Ernährung und zu wenig Bewegung. Dies führt im Ergebnis zu einem um 40 Prozent höheren Risiko für weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Mit verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen soll das Projekt „Bewegung und Gesundheit im Alltag stärken“ dazu beitragen, eine Verbesserung zu erreichen. Konkret besteht das Ziel darin, insbesondere für Menschen mit geistiger und/oder Mehrfachbehinderung nachhaltig eine gesunde Lebensweise und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen.

    Netzwerkstrukturen – eine wichtige Voraussetzung

    Eine große Herausforderung für die Realisierung des Projektes besteht darin, die Zielgruppe zu erreichen, da diese in verschiedenen Wohnformen lebt. Die Erreichbarkeit kann in der Lebenswelt Kommune über Wohneinrichtungen wie Wohnheime, ambulantes Wohnen oder betreutes Einzelwohnen sowie Werkstätten, Schulen, Sportvereine oder andere Freizeiteinrichtungen gelingen. Aus diesem Grund brauchen Präventions- und Bewegungsangebote für Menschen mit Behinderung kommunale Netzwerkstrukturen, die während der Projektlaufzeit von Projektmitarbeitenden in den Special Olympics Landesverbänden aufgebaut werden sollen.

    Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung als Bewegungs- und Gesundheitsexpertinnen und -experten

    Die Entwicklung und Umsetzung der Präventions- und Bewegungsangebote erfolgt unter partizipativer Einbeziehung aller Akteure. Als eine zentrale Maßnahme sollen Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung selbst als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewonnen werden, da sie aufgrund ihrer eigenen Behinderung Expertinnen und Experten in eigener Sache sind. Sie werden von den regionalen Projektmitarbeitenden und über die Netzwerke der jeweiligen Special Olympics Landesverbände angesprochen. Damit sie die Aufgabe umfassend wahrnehmen können, werden sie als Bewegungs- und Gesundheitsexpertinnen und  -experten auf Basis eines neu entwickelten Curriculums qualifiziert. Die Schulungen der Bewegungs- und Gesundheitsexpertinnen und -experten werden von Referentinnen und Referenten von SOD durchgeführt.

    Sobald die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren fit in der zielgruppenspezifischen Gesundheitsförderung sind, können sie mit Unterstützung der Projektmitarbeitenden andere Menschen mit Behinderung zu einer gesunden Lebensweise motivieren.

    Prävention durch eine gesunde Lebensweise

    Im Rahmen des Projektes finden in den 25 Standorten Veranstaltungen z. B. für eine regelmäßige körperliche Aktivierung oder eine gesunde Ernährung in den verschiedenen Wohnformen, aber auch bei Sport- und Freizeitaktivitäten statt. Hierbei sollen alle relevanten kommunalen Strukturen, wie Sportvereine, Familienzentren oder Volkshochschulen mit einbezogen werden. Denkbare Maßnahmen wären z. B. die Durchführung von Gesundheits- und Sporttagen oder Schnuppertage beim regionalen Sportverein sowie Bewegungsangebote in Wohneinrichtungen oder einem Träger der Behindertenhilfe. Ein weiteres Spektrum sind dezentrale Qualifizierungsangebote zu Gesundheit, Ernährung, Bewegung und Sport über regionale Bildungspartner wie Volkshochschulen.

    Evaluation und Ausblick

    Das Projekt wird von der Hochschule Fulda evaluiert und die aus der Evaluation gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen sollen im weiteren Projektverlauf berücksichtigt werden.

    Weitere Informationen erhalten Sie auch auf www.specialolympics.de.

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